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Medicare für Deutsche: Kein Abkommen mit Deutschland, wer zahlt dann Ihren Arzt?

Tipps · 01.11.2026 · 7 Min. Lesezeit

Eine junge Reisende liest am Tresen einer australischen Apotheke einen Flyer im Tageslicht.

Wer aus Deutschland nach Australien geht, kennt die Krankenkassenkarte und erwartet etwas Ähnliches wie Medicare, das öffentliche Gesundheitssystem des Landes. Für Besucher aus Deutschland gibt es das nicht: Deutschland steht nicht auf der Liste der Länder, mit denen Australien ein gegenseitiges Gesundheitsabkommen hat. Auf einem Working Holiday Visum (Subclass 417) tragen Sie Ihre Behandlungskosten deshalb selbst, und beim Visum Skills in Demand (Subclass 482) ist eine angemessene Krankenversicherung sogar Bedingung. Medicare steht erst Inhabern eines dauerhaften Visums offen.

Was Medicare ist und warum Deutschland nicht auf der Liste steht

Medicare ist Australiens öffentliche Gesundheitsversorgung. Mit manchen Ländern hat Australien sogenannte Reciprocal Health Care Agreements (gegenseitige Gesundheitsabkommen), die Besuchern aus diesen Ländern einen Teil der medizinisch notwendigen Behandlung abdecken. Die Behörde Services Australia führt auf ihrer Seite zu diesen Abkommen Belgien, Finnland, Irland, Italien, Malta, die Niederlande, Neuseeland, Norwegen, Slowenien, Schweden und das Vereinigte Königreich auf. Deutschland ist nicht dabei.

Das heißt nicht, dass Sie in Australien nie zum Arzt gehen können. Es heißt nur: Eine deutsche Versichertenkarte öffnet dort keine Tür, und Sie sollten die Absicherung vor der Abreise selbst organisieren. Wie Ihre Krankenkasse in Deutschland während eines langen Auslandsaufenthalts mit Ihrer Mitgliedschaft umgeht, klären Sie am besten direkt mit ihr, bevor Sie sich abmelden. Die Schritte rund um die Abreise finden Sie in unserer Checkliste zum Abmelden beim Auswandern.

Welche Absicherung zu Ihrem Visum gehört

Die Regeln hängen vom Visum ab. Die Übersicht fasst zusammen, was die offiziellen Seiten von Home Affairs, Services Australia und Immigration New Zealand sagen.

SituationWas die offiziellen Seiten sagen
Besuch aus DeutschlandDeutschland steht nicht auf der Liste der Abkommensländer von Services Australia.
Working Holiday Visum (Subclass 417)Home Affairs empfiehlt ausdrücklich eine Krankenversicherung und weist darauf hin, dass Sie alle Gesundheitskosten selbst tragen.
Skills in Demand Visum (Subclass 482)Eine angemessene Krankenversicherung für den gesamten Aufenthalt ist eine Visabedingung.
Dauerhafte Visa (z. B. Subclass 186, 189, 190)Inhaber können sich bei Medicare anmelden.
Working Holiday Visum NeuseelandSie benötigen für die gesamte Aufenthaltsdauer eine umfassende Krankenversicherung; Immigration New Zealand kann einen Nachweis verlangen.

Es gibt also zwei verschiedene Fragen: Was verlangt das Visum, und was brauchen Sie realistisch, um im Krankheitsfall nicht auf den Kosten sitzen zu bleiben? Auf dem 417 ist die Versicherung eine ausdrückliche Empfehlung von Home Affairs, die Verantwortung für die Kosten bleibt aber bei Ihnen.

Working Holiday: Sie haften persönlich

Home Affairs schreibt auf der Seite zum ersten Working Holiday Visum, dass Sie für alle Ihre Gesundheitskosten in Australien persönlich haften. Wer sich ohne Versicherung auf die Reise macht, trägt also das volle Risiko eines Unfalls oder einer Erkrankung selbst, einschließlich Krankenhaus.

Das betrifft auch Menschen, die als Erntehelfer oder in der Gastronomie arbeiten und glauben, ein Job bringe automatisch eine Absicherung mit. Das Working Holiday Visum ist kein Visum mit Arbeitgeber-Sponsoring, und die Arbeit darauf ersetzt keine Versicherung. Wie Sie das Visum selbst beantragen und was es erlaubt, steht in unserem Beitrag zum Working Holiday Visum 417.

Visum 482: Versicherung als Bedingung

Wer mit einem Arbeitgeber geht, der das Visum Skills in Demand (Subclass 482) sponsert, muss laut Home Affairs für den gesamten Aufenthalt in Australien eine angemessene Krankenversicherung unterhalten. Das ist eine Bedingung des Visums. Die Visa-Bedingung mit der Nummer 8501 verlangt von ihrem Inhaber, angemessene Vorkehrungen für die Krankenversicherung zu treffen, solange er in Australien ist.

Wichtig: Wer seine Police auskaufen lässt, ohne eine Ersatzpolice abzuschließen, würde diese Bedingung verletzen. Bevor Sie wechseln, sorgen Sie also dafür, dass die neue Police beginnt, bevor die alte endet. Mehr zum Visum selbst lesen Sie im Leitfaden zum Skills in Demand Visum.

Was Home Affairs unter angemessener Versicherung versteht

Home Affairs nennt auf seiner Seite zur angemessenen Krankenversicherung ein empfohlenes Mindestniveau für Besucher: eine Police, deren Leistung pro Person und Jahr nicht unter 1.000.000 AUD liegt. Produkte der Kategorie Overseas Visitor Health Cover (OVHC) bieten dieses Niveau üblicherweise. Das Kürzel finden Sie in vielen Angeboten.

Prüfen Sie im Angebot vor allem den Leistungsumfang und die Höchstsumme, nicht nur den Monatsbeitrag. Ein günstiger Tarif, der die Mindestsumme unterschreitet, hilft Ihnen weder im Ernstfall noch beim Nachweis gegenüber den Behörden.

Auslandskrankenversicherung und Rückholversicherung

Das Auswärtige Amt rät Reisenden nach Australien ausdrücklich zu einer Auslands-Krankenversicherung mit Rückholversicherung. Es empfiehlt außerdem, bei der eigenen Krankenkasse nachzufragen, ob ein Rettungsflug nach Deutschland abgedeckt ist. Ohne ausreichenden Schutz müssen Behandlung, Krankenhaus und Rückflug aus eigener Tasche bezahlt werden. Die Hinweise stehen auf der Länderseite des Auswärtigen Amts zu Australien.

Ein Vergleich der Angebote lohnt sich. Wie sich die Versicherung in Ihr Gesamtbudget einfügt, zeigt unser Beitrag zur Auslandskrankenversicherung für Australien. Eine Gesamtübersicht der Ausgaben finden Sie unter Auswandern nach Australien: Was kostet es?.

So gehen Sie vor

  1. Klären Sie, welches Visum Sie nutzen: Working Holiday, Visum mit Arbeitgeber-Sponsoring oder ein dauerhaftes Visum.
  2. Lesen Sie die Gesundheitsvorgaben auf der offiziellen Seite von Home Affairs, bei Neuseeland auf der Seite von Immigration New Zealand.
  3. Vergleichen Sie Policen anhand der Höchstsumme pro Person und Jahr, nicht nur anhand des Beitrags.
  4. Fragen Sie Ihre Krankenkasse, ob ein Rettungsflug nach Deutschland abgedeckt ist, und entscheiden Sie dann über die Rückholversicherung.
  5. Legen Sie die Police und den Versicherungsnachweis griffbereit ab, digital und in Papierform.
  6. Wechseln Sie die Police nur so, dass es keine Lücke gibt, und prüfen Sie bei einem dauerhaften Visum, ob Sie sich bei Medicare anmelden können.

Alle weiteren Aufgaben der ersten Wochen, von der Bankverbindung bis zur Steuernummer, finden Sie in der Übersicht Die ersten 30 Tage in Australien.

Medicare für Inhaber eines dauerhaften Visums

Wer ein dauerhaftes Visum erhält, etwa Subclass 186, 189 oder 190, kann sich laut Home Affairs bei Medicare anmelden. Das ist ein Unterschied zu temporären Visa wie dem 417 oder dem 482. Wer aus der Anstellung mit Sponsoring später in den Daueraufenthalt wechseln möchte, sollte diese Möglichkeit im Kopf haben, aber nicht fest einplanen: Ob und wann ein Visum erteilt wird, entscheidet allein das Innenministerium. Einen Überblick über die Wege nach Australien finden Sie in Jobs in Australien für Deutsche, passende Stellen zum Beispiel bei Senior Cook / Chef in Dubbo.

Für Bewerbungen auf dem australischen Arbeitsmarkt brauchen Sie außerdem einen Lebenslauf im australischen Stil, den Sie zum Beispiel mit Build AI CV erstellen können.

Häufige Fehler und wie Sie sie vermeiden

  • Annahme, die deutsche Karte gelte auch in Australien. Deutschland steht nicht auf der Liste der Abkommensländer; planen Sie eine eigene Absicherung.
  • Nur auf den Beitrag schauen. Prüfen Sie die Höchstsumme pro Person und Jahr und ob sie das von Home Affairs genannte Mindestniveau erreicht.
  • Police auskaufen lassen, ohne Ersatz. Wer mit Visabedingung 8501 lebt, sollte nie eine Lücke entstehen lassen.
  • Rückholkosten vergessen. Fragen Sie vor der Abreise, ob Krankenkasse oder Zusatzpolice einen Rettungsflug nach Deutschland tragen.
  • Arbeit mit Versicherung gleichsetzen. Ein Job auf dem Working Holiday Visum ersetzt nicht die eigene Absicherung.

Häufig gestellte Fragen

Gilt Medicare für Deutsche, die in Australien arbeiten?

Nicht automatisch. Deutschland ist kein Land mit einem gegenseitigen Gesundheitsabkommen, und Medicare steht nach den Angaben von Home Affairs Inhabern eines dauerhaften Visums offen. Als Besucher oder Inhaber eines temporären Visums sorgen Sie selbst für eine Versicherung.

Brauche ich auf dem Working Holiday Visum eine Krankenversicherung?

Home Affairs empfiehlt sie ausdrücklich und weist darauf hin, dass Sie alle Gesundheitskosten persönlich tragen. Ohne Versicherung kann schon ein Krankenhausaufenthalt hohe Rechnungen auslösen, die niemand für Sie übernimmt.

Was bedeutet Visa-Bedingung 8501?

Sie verlangt von ihrem Inhaber, während des Aufenthalts in Australien angemessene Vorkehrungen für die Krankenversicherung zu treffen. Wer seine Police auskaufen lässt, ohne eine neue abzuschließen, würde die Bedingung verletzen.

Wie hoch sollte die Versicherungssumme sein?

Home Affairs empfiehlt für Besucher ein Mindestniveau von 1.000.000 AUD Leistung pro Person und Jahr. Produkte der Kategorie Overseas Visitor Health Cover bieten dieses Niveau üblicherweise; prüfen Sie es in den Vertragsbedingungen.

Und in Neuseeland?

Für das Working Holiday Visum Neuseeland für Deutsche benötigen Sie für die gesamte Aufenthaltsdauer eine umfassende Krankenversicherung, und Immigration New Zealand kann einen Nachweis verlangen. Einzelheiten stehen im Beitrag zum Working Holiday in Neuseeland.

Das Wichtigste in Kürze

  • Deutschland steht nicht auf der Liste der Länder mit gegenseitigem Gesundheitsabkommen mit Australien.
  • Auf dem Working Holiday Visum haften Sie persönlich für alle Gesundheitskosten.
  • Beim Visum 482 ist eine angemessene Krankenversicherung Bedingung des Visums.
  • Home Affairs nennt als empfohlenes Mindestniveau 1.000.000 AUD pro Person und Jahr.
  • Medicare steht Inhabern dauerhafter Visa offen, nicht den temporären.

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