Beglaubigte Übersetzung fürs Visum: Wer übersetzen darf und was Neuseeland strenger prüft
Tipps · 25.10.2026 · 10 Min. Lesezeit

Für ein Visum für Australien oder Neuseeland brauchen Sie von jedem deutschen Dokument, das nicht auf Englisch ist, eine englische Übersetzung, die Sie zusammen mit dem Original einreichen. Wer übersetzen darf, regeln beide Länder unterschiedlich. Australien verlangt von Übersetzern außerhalb des Landes keine Akkreditierung, wohl aber einen Vermerk auf Englisch mit Name, Adresse, Telefonnummer und Sprachqualifikation. Neuseeland verlangt für Polizeizeugnisse und ärztliche Bescheinigungen eine zertifizierte Übersetzung, die nie von Ihnen selbst, Ihrer Familie oder Ihrem Berater stammen darf.
Dieser Beitrag geht beim Thema Übersetzung tiefer als unsere allgemeine Unterlagen-Checkliste für Australien und Neuseeland. Er zeigt, welche Form für welches Land genügt und wo Sie in Deutschland beeidigte Übersetzer finden.
Beglaubigt, beeidigt, zertifiziert: drei Wörter, zwei Systeme
Wenn in Deutschland von einer „beglaubigten Übersetzung“ die Rede ist, meinen die meisten eine Übersetzung durch einen allgemein beeidigten oder öffentlich bestellten Übersetzer. So nennen die Landesjustizverwaltungen die Übersetzer, die in einem Bundesland offiziell vereidigt oder bestellt sind.
Australien und Neuseeland denken anders. Das australische Innenministerium (Department of Home Affairs) will überprüfbare Angaben zur Person, die übersetzt hat. Immigration New Zealand (INZ) spricht von einer „certified translation“, die der Übersetzer als korrekt bestätigt. Eine deutsche Beeidigung schreibt keine der beiden Behörden ausdrücklich vor; entscheidend sind die Formvorgaben des Ziellandes.
Australien und Neuseeland im direkten Vergleich
| Frage | Australien (Home Affairs) | Neuseeland (INZ) |
|---|---|---|
| Was wird übersetzt? | Jedes Dokument, das nicht auf Englisch ist, zusammen mit dem Original | Für alle Visa außer Besuchervisa jedes ärztliche Attest und jedes Polizeizeugnis, auch ohne Eintrag |
| Wer darf übersetzen? | Außerhalb Australiens jeder Übersetzer mit vollständigen Angaben; in Australien nur NAATI-akkreditierte Übersetzer | Seriöse Übersetzungsbüros oder bekannte Übersetzer aus der Community, nie Sie selbst, Familie oder Berater |
| Was muss auf der Übersetzung stehen? | Auf Englisch: vollständiger Name, Adresse, Telefonnummer, Qualifikation und Erfahrung in der Sprache | Wenn möglich Briefkopf des Büros, Bestätigung als korrekte Übersetzung, Stempel oder Unterschrift |
| Wie reichen Sie ein? | Online in ImmiAccount, nicht per E-Mail oder Post an die Botschaft | Online, beim Working Holiday Visum mit Scans der Originale |
Australien: was auf der Übersetzung stehen muss
Für das Visum Skills in Demand (Subclass 482) und das Working Holiday Visum (Subclass 417) gilt dieselbe Grundregel: Jedes nicht englische Dokument wird ins Englische übersetzt, und Original und Übersetzung gehen gemeinsam in den Antrag. So steht es auf der Seite von Home Affairs zum Core Skills Stream des Visums 482, und die australische Botschaft in Berlin beschreibt es auf ihrer Seite zu Visa und Migration genauso.
Ein Übersetzer in Deutschland braucht dafür keine australische Akkreditierung. Er muss aber auf jeder einzelnen Übersetzung, und zwar auf Englisch, folgende Angaben machen:
- seinen vollständigen Namen,
- seine Anschrift,
- seine Telefonnummer,
- seine Qualifikation und Erfahrung in der Sprache, aus der er übersetzt.
Ein Bestätigungsvermerk nur auf Deutsch erfüllt diese Vorgabe nicht. Nennen Sie die vier Angaben deshalb schon im Auftrag.
Wenn der Übersetzer in Australien sitzt
Anders ist es, wenn Sie in Australien übersetzen lassen. Übersetzer im Land müssen von der National Accreditation Authority for Translators and Interpreters (NAATI) akkreditiert sein. Das betrifft etwa Menschen, die mit Work and Travel in Perth oder Cairns sind und dort eine Stelle mit Visumsponsoring finden. Die Regel knüpft an den Ort des Übersetzers an, ein Übersetzer in Deutschland bleibt also möglich.
Beglaubigte Kopien und Abgabe
Für das Working Holiday Visum müssen laut Home Affairs keine Dokumente beglaubigt sein; die Übersetzung brauchen Sie trotzdem. Per E-Mail oder Post nehmen die Botschaft in Berlin und das Generalkonsulat in Frankfurt nichts an, alles geht über ImmiAccount. Wie der Antrag mit Arbeitgeber abläuft, erklärt unser Ratgeber zum Visum 482.
Neuseeland: strengere Form für Polizeizeugnis und Attest
INZ verlangt für alle Visa außer Besuchervisa zertifizierte englische Übersetzungen aller ärztlichen Bescheinigungen und Polizeizeugnisse. Das gilt ausdrücklich auch dann, wenn Ihr Polizeizeugnis keinen Eintrag enthält. Die Behörde übersetzt selbst nichts.
Zulässig sind seriöse private oder amtliche Übersetzungsbüros sowie Personen aus der Community, die für genaue Übersetzungen bekannt sind. Nicht zulässig sind:
- Sie selbst, auch mit sehr gutem Englisch,
- Familienmitglieder,
- der Einwanderungsberater, der beim Antrag hilft.
Jede Übersetzung soll nach Möglichkeit auf dem offiziellen Briefkopf des Übersetzungsbüros stehen, vom Übersetzer als korrekte Übersetzung bestätigt und von ihm oder dem Büro gestempelt oder unterschrieben sein. Die Einzelheiten stehen auf der Seite von INZ zu englischen Übersetzungen.
Für das Germany Working Holiday Visa gehören zu verlangten Polizeizeugnissen und Attesten zertifizierte Übersetzungen und Scans der Originale. Mehr zum Visum lesen Sie in unserem Beitrag zum Working Holiday in Neuseeland. Weil die Regel für alle Visa außer Besuchervisa gilt, betrifft sie auch das Accredited Employer Work Visa (AEWV); den Weg mit Arbeitgeber beschreibt unser Ratgeber zum AEWV.
Umlaute und ß: eine Schreibweise für alle Dokumente
Heißen Sie Jürgen Weiß oder Sören Müller, kann Ihr Name in einer Übersetzung mit „ue“ oder „ss“ auftauchen. INZ bittet darum, dass Übersetzer die englische Schreibweise aus dem Reisepass übernehmen; eine abweichende Schreibweise tragen Sie im Formular unter „other names“ ein. Geben Sie Ihrem Übersetzer deshalb gleich eine Kopie Ihrer Passseite.
Beeidigte Übersetzer in Deutschland finden
Die Landesjustizverwaltungen betreiben die Dolmetscher- und Übersetzerdatenbank (justiz-dolmetscher.de). Dort stehen die allgemein beeidigten, öffentlich bestellten oder allgemein ermächtigten Dolmetscher und Übersetzer der Bundesländer. Sie können nach Name, Ort und Sprache suchen, also etwa nach einer Übersetzerin für Englisch in Leipzig, Nürnberg oder in Ihrer Nähe.
Die Beeidigung oder Bestellung richtet sich nach dem Gerichtsdolmetschergesetz des Bundes, das seit dem 01.01.2023 gilt, oder nach dem Recht des jeweiligen Landes. Für Ihren Visumantrag ist sie keine Pflicht, aber ein brauchbares Auswahlkriterium: Die amtliche Datenbank zeigt, dass die Person offiziell beeidigt, bestellt oder ermächtigt ist. Klären Sie trotzdem vorab, ob der Vermerk die Vorgaben beider Länder erfüllt.
Welche Dokumente Sie übersetzen lassen und wo Sie sparen
Prüfungszeugnis von IHK oder Handwerkskammer
Bevor Sie Ihr Prüfungszeugnis zum Übersetzer bringen, lohnt ein Blick ins Gesetz. Nach § 37 Abs. 3 BBiG wird dem Zeugnis über die Abschlussprüfung eines anerkannten Ausbildungsberufs auf Antrag eine englische und eine französische Übersetzung beigefügt. Für die Gesellenprüfung im Handwerk sieht § 31 Abs. 3 HwO dasselbe vor. Fragen Sie bei Ihrer Kammer nach dieser Fassung.
Ob die Stelle, die Ihr Skills Assessment durchführt, diese Fassung ohne weitere Übersetzung annimmt, lesen Sie dort nach. Wie die Anerkennung abläuft, zeigt unser Beitrag Ausbildung in Australien anerkennen.
Führungszeugnis
Auf dem Führungszeugnis sind die Überschriften zu Ihren persönlichen Daten auf Deutsch, Englisch und Französisch gedruckt, ebenso der Vermerk, wenn nichts eingetragen ist. Den Rest stellt das Bundesamt für Justiz (BfJ) nur auf Deutsch aus; eine amtliche Übersetzung dürfen Sie jederzeit anfertigen lassen, wie die Antworten des BfJ auf häufige Fragen erklären. Für Neuseeland planen Sie die zertifizierte Übersetzung fest ein, denn INZ verlangt sie auch ohne Eintrag. Wie Sie das Zeugnis beantragen, steht in unserem Ratgeber zum Führungszeugnis fürs Visum.
Geburtsurkunde, Heiratsurkunde und Arbeitszeugnisse
Für das Working Holiday Visum (Subclass 417) verlangt Home Affairs eine Geburtsurkunde mit den Namen beider Eltern und, falls sich Ihr Name geändert hat, einen Nachweis wie eine Heirats- oder Scheidungsurkunde. Liegen sie nur auf Deutsch vor, gehört zu jeder eine englische Übersetzung. Für Arbeitszeugnisse gibt es keine Regel wie bei den Prüfungszeugnissen; hier brauchen Sie einen Übersetzer.
Ergänzen Sie die Zeugnisse durch einen englischen CV: Für das Visum 482 muss er Ihre Berufs- und Ausbildungsstationen der letzten mindestens 5 Jahre mit Daten und Positionen zeigen. Mit Build AI CV erstellen Sie einen englischen CV, dessen Daten zu Ihren übersetzten Zeugnissen passen. Aufbau und Beispiele finden Sie im Beitrag Lebenslauf für Australien.
Neu seit Oktober 2026: das digitale Führungszeugnis
Seit dem 1. Oktober 2026 gibt es das Führungszeugnis für Privatpersonen auch digital: beantragt über das Online-Portal des BfJ, als PDF mit QR-Code im BundID-Postfach, für 13,00 Euro. Darauf lässt sich aber keine Überbeglaubigung, Apostille oder Endbeglaubigung anbringen. Welche Beglaubigung nötig ist, hängt vom Land ab, in dem das Zeugnis verwendet wird; braucht es eine, beantragen Sie das Papierzeugnis.
Planen Sie außerdem Zeit ein. Das BfJ weist am 22. Oktober 2026 darauf hin, dass Anträge aus dem Ausland und Anträge mit Auslandsbezug, etwa mit Überbeglaubigung, derzeit länger dauern. Bestellen Sie die Übersetzung, sobald das Zeugnis vorliegt, und rechnen Sie für Neuseeland zurück: Bei Einreichung muss das Polizeizeugnis jünger als 6 Monate sein.
Schritt für Schritt zur fertigen Übersetzung
- Ziel festlegen: Land und Visum bestimmen die Form der Übersetzung.
- Dokumente sammeln: Reisepass, Geburtsurkunde, gegebenenfalls Heiratsurkunde, Prüfungszeugnisse, Arbeitszeugnisse und zuletzt das Führungszeugnis.
- Vorhandene englische Fassungen nutzen: Fragen Sie bei IHK oder Handwerkskammer nach der Übersetzung des Prüfungszeugnisses.
- Übersetzer auswählen: in der Datenbank der Landesjustizverwaltungen nach Sprache und Ort suchen; für Neuseeland nie Sie selbst, Familie oder Berater.
- Auftrag genau beschreiben: englischer Vermerk mit Name, Anschrift, Telefonnummer und Qualifikation; für Neuseeland Briefkopf, Bestätigung und Stempel oder Unterschrift; dazu eine Kopie Ihrer Passseite.
- Ergebnis prüfen: Stimmen Namen, Geburtsdatum und alle Daten mit dem Original überein? Fehlt eine Angabe im Vermerk?
- Gemeinsam einreichen: Original und Übersetzung zusammen hochladen, für Australien in ImmiAccount, für Neuseeland im Online-Antrag.
Den Antrag für ein Arbeitsvisum stößt meist ein Arbeitgeber an, der Sie sponsert. Aktuelle Stellen mit Visumsponsoring in Australien und Neuseeland finden Sie in unserer Jobübersicht; die Unterlagen können Sie parallel zur Bewerbung vorbereiten.
Häufige Fehler bei Übersetzungen fürs Visum
- Vermerk nur auf Deutsch: Home Affairs verlangt die Angaben des Übersetzers auf Englisch.
- Selbst, in der Familie oder vom Berater übersetzt: Für Neuseeland zählen solche Übersetzungen nicht, egal wie gut sie sind.
- Nur die Übersetzung hochladen: Australien will Original und Übersetzung zusammen sehen.
- Uneinheitliche Namen: „Müller“ im Pass, „Mueller“ in der Übersetzung, ohne Eintrag unter „other names“.
- Digitales Führungszeugnis trotz Apostille-Bedarf: Auf die PDF-Fassung lässt sich keine Beglaubigung setzen.
- Übersetzer in Australien ohne NAATI: Im Land übersetzte Dokumente brauchen einen akkreditierten Übersetzer.
Häufig gestellte Fragen
Muss die Übersetzung für Australien von einem beeidigten Übersetzer stammen?
Nein. Home Affairs verlangt von Übersetzern außerhalb Australiens keine Akkreditierung, sondern auf Englisch Name, Anschrift, Telefonnummer sowie Qualifikation und Erfahrung in der Sprache. Übersetzer in Australien müssen NAATI-akkreditiert sein.
Darf ich meine Unterlagen für Neuseeland selbst übersetzen?
Nein. INZ akzeptiert keine Übersetzungen von Ihnen selbst, von Familienmitgliedern oder von dem Einwanderungsberater, der Ihnen beim Antrag hilft. Zulässig sind seriöse Übersetzungsbüros oder Personen aus der Community, die für genaue Übersetzungen bekannt sind.
Muss ich ein Führungszeugnis ohne Eintrag übersetzen lassen?
Für Neuseeland ja: INZ verlangt zertifizierte englische Übersetzungen aller Polizeizeugnisse, auch wenn sie keinen Eintrag enthalten. Auf dem Führungszeugnis sind nur die Überschriften zu den persönlichen Daten und der Vermerk ohne Eintrag dreisprachig, der Rest ist Deutsch.
Wie wird mein Name mit Umlaut oder ß in der Übersetzung geschrieben?
INZ bittet darum, dass Übersetzer die englische Schreibweise aus Ihrem Reisepass verwenden. Steht in einer Übersetzung trotzdem eine andere Schreibweise, geben Sie diese im Antragsformular unter „other names“ an, damit die Unterlagen eindeutig Ihnen zugeordnet werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Beide Länder verlangen englische Übersetzungen, die Sie zusammen mit dem Original einreichen.
- Australien: Übersetzer außerhalb des Landes mit vollständigem englischem Vermerk, im Land nur mit NAATI-Akkreditierung.
- Neuseeland: zertifizierte Übersetzungen von Polizeizeugnis und Attest, nie von Ihnen, Ihrer Familie oder Ihrem Berater.
- Beeidigte Übersetzer finden Sie in der Datenbank der Landesjustizverwaltungen; Pflicht ist die Beeidigung nicht.
- Prüfungszeugnisse gibt es auf Antrag mit englischer Übersetzung, das digitale Führungszeugnis seit dem 1. Oktober 2026 ohne Apostille.
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