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Zweites Working Holiday Visum für Australien: Wie Sie 88 Tage Specified Work lückenlos belegen

Tipps · 24.10.2026 · 10 Min. Lesezeit

Eine Erntehelferin mit Sonnenhut ordnet Lohnzettel in einer Mappe am Rand einer australischen Apfelplantage.

Für ein zweites Working Holiday Visum in Australien (Subclass 417) brauchen Sie mit deutschem Reisepass 3 Monate Specified Work aus dem ersten Visum, das heißt mindestens 88 Kalendertage in bestimmten Branchen und Regionen. Für ein drittes Visum sind es 6 Monate, also mindestens 179 Kalendertage. Entscheidend ist nicht nur die Zahl der Tage, sondern dass Sie jede Stelle mit Lohnzetteln und Kontoauszügen lückenlos belegen können.

Dieser Beitrag zeigt, wie Home Affairs die Tage zählt, welche Arbeit überhaupt dazugehört und welche Unterlagen Sie vom ersten Arbeitstag an sammeln sollten. Was das erste Visum erlaubt, erklärt unser Ratgeber zum Working Holiday Visum 417.

Gilt die Pflicht zur Specified Work auch mit deutschem Pass?

Ja. Die bekannte Sonderregel betrifft nur das Vereinigte Königreich: Wer ab dem 1. Juli 2024 mit einem Pass des Vereinigten Königreichs beantragt, braucht für das zweite und dritte Visum keine Specified Work mehr. Diese Ausnahme gilt nur für britische Pässe.

Für Sie als Inhaber eines deutschen Passes bleibt es bei der alten Pflicht. Wie die britische Regel genau funktioniert, beschreibt ein englischsprachiger Artikel von JobsAbroad UK. Lesen Sie ihn als Vergleich, nicht als Anleitung für Ihren eigenen Antrag.

Ein weiterer Unterschied zum ersten Antrag: Das zweite Visum können Sie innerhalb oder außerhalb Australiens beantragen. Sind Sie im Land, brauchen Sie ein gültiges reguläres Visum (substantive visa), oder Ihr letztes darf vor weniger als 28 Tagen abgelaufen sein. Die Bedingungen stehen auf der Seite von Home Affairs zum zweiten Working Holiday Visum.

Zweites und drittes Visum im Vergleich

Die Übersicht fasst zusammen, was das australische Innenministerium (Department of Home Affairs) mit deutschem Pass verlangt.

VisumVoraussetzungSpecified WorkGrundgebühr
Erstes Working Holiday Visum (417)Antrag von außerhalb Australiens, allein, ohne Kinderkeine840,00 AUD
Zweites Working Holiday Visum (417)Erstes Visum 417, Antrag im Land oder von außerhalb3 Monate, mindestens 88 Kalendertage1.000,00 AUD
Drittes Working Holiday Visum (417)Bereits 2 Visa 417 gehabt6 Monate, mindestens 179 Kalendertage1.000,00 AUD

Die Gebühren sind die Grundgebühren aus der offiziellen Preisliste von Home Affairs. Dazu können Kosten für Gesundheitsuntersuchungen, Führungszeugnisse und biometrische Daten kommen. Prüfen Sie die Beträge vor dem Antrag noch einmal, denn sie können sich ändern.

Welche Arbeit als Specified Work zählt

Specified Work ist nicht jeder Job in Australien. Gemeint sind festgelegte Tätigkeiten, die oft nur in bestimmten Gebieten zählen. Die Übersicht von Home Affairs zur Specified Work nennt diese Bereiche:

  • Pflanzen- und Tierproduktion (plant and animal cultivation): das, was viele „Farmarbeit“ nennen, etwa Ernte und Verpackung von Obst und Gemüse.
  • Fischerei und Perlenzucht (fishing and pearling).
  • Baumzucht und Holzeinschlag (tree farming and felling).
  • Bergbau und Bau (mining and construction), aber nur im regionalen Australien.
  • Tourismus und Gastgewerbe (tourism and hospitality) in Nordaustralien oder in abgelegenen und sehr abgelegenen Gebieten (Remote and Very Remote Australia), für Arbeit ab dem 22. Juni 2021.
  • Wiederaufbau nach Buschfeuern (bushfire recovery work) in offiziell erklärten Gebieten, für Arbeit nach dem 31. Juli 2019.

Ob ein Ort als regional, nordaustralisch oder abgelegen gilt, legt Home Affairs fest, nicht der Arbeitgeber. Bevor Sie eine Stelle annehmen, sollten Sie deshalb auf der offiziellen Seite selbst nachsehen, ob der Arbeitsort und die Tätigkeit dazugehören.

Saisonstellen in der Ernte, in Packhallen und auf Farmen finden Sie gesammelt bei Seasonal Jobs Australia. Prüfen Sie auch dort bei jeder Anzeige den Arbeitsort.

So zählt Home Affairs die 88 Tage

Home Affairs prüft zwei Dinge gleichzeitig. Wer nur eines davon kennt, plant oft zu knapp.

Kalendertage mit Wochenenden

„3 Monate“ bedeutet mindestens 88 Kalendertage, „6 Monate“ mindestens 179 Kalendertage. Wochenenden und Ruhetage innerhalb einer Beschäftigung zählen mit. Wer also montags bis freitags in Vollzeit auf einer Farm arbeitet, sammelt auch Samstag und Sonntag.

So viele Arbeitstage wie eine Vollzeitkraft

Gleichzeitig müssen Sie so viele normale Arbeitstage oder Schichten leisten wie eine Vollzeitkraft in derselben Tätigkeit und Branche. Arbeiten Sie nur an zwei oder drei Tagen pro Woche, reichen 88 Kalendertage deshalb nicht: Sie brauchen dann länger, bis die Zahl der Schichten einer Vollzeitstelle erreicht ist.

Ein Kalendertag zählt nur einmal

Arbeit an einem einzigen Kalendertag zählt nie als mehr als ein Tag, auch wenn Sie an diesem Tag doppelt so lange arbeiten oder morgens und abends für zwei Arbeitgeber tätig sind. Doppelschichten bringen mehr Lohn, aber keinen Tag mehr.

Planen Sie Puffer ein: Regen, Ernteende oder ein Betriebswechsel können Lücken reißen.

Bezahlung: Award, Stücklohn und Ihre Rechte

Jede Specified Work muss nach australischem Recht und dem passenden Award bezahlt werden. Ein Award legt den Mindestlohn für eine Branche oder einen Beruf fest, ähnlich wie ein Tarifvertrag, und liegt oft über dem nationalen Mindestlohn. Unbezahlte Arbeit gegen Unterkunft oder Essen zählt nicht, mit einer Ausnahme: freiwillige Wiederaufbauarbeit in Gebieten, die nach Buschfeuern oder anderen Naturkatastrophen offiziell erklärt wurden.

In der Ernte ist Stücklohn (piece rate) üblich: Sie werden pro Eimer, Kiste oder Kilo bezahlt. Nach dem Horticulture Award 2020 muss ein Stücklohnarbeiter aber für jeden Tag mindestens den Mindeststundenlohn seiner Einstufung mal die gearbeiteten Stunden erhalten, bei Aushilfen (casual) zuzüglich 25 % Zuschlag. Lassen Sie sich die Stücklohnvereinbarung schriftlich geben, denn sie ist zugleich ein Nachweis für Ihren Antrag.

Als Working Holiday Maker haben Sie dieselben Rechte wie andere Beschäftigte, darauf weist auch das Auswärtige Amt hin. Der Fair Work Ombudsman hilft Visuminhabern dabei, diese Rechte durchzusetzen. Wichtig: Wenn ein Arbeitgeber verlangt, dass Sie für den Job Geld an ihn zurückzahlen (cashback), ist das in Australien illegal. Hilfe in anderen Sprachen bekommen Sie über den Dolmetscherdienst TIS unter 131 450, der Sie mit dem Fair Work Ombudsman unter 13 13 94 verbindet.

Vorsicht auch bei Angeboten, die Ihnen die 88 Tage gegen Gebühr „besorgen“ wollen. Woran Sie unseriöse Angebote erkennen, zeigt unser Beitrag Jobangebot aus Australien oder Betrug?

Nachweise: Diese Unterlagen sammeln Sie ab dem ersten Tag

Ihre Nachweise müssen alle Zeiträume abdecken, die Sie angeben. Home Affairs nennt dafür unter anderem:

  • Lohnzettel (pay slips) für jede Woche oder jeden Zahlungszeitraum. Der Arbeitgeber muss sie binnen eines Arbeitstags nach dem Zahltag ausstellen, digital oder auf Papier.
  • Australische Kontoauszüge für den Zeitraum, auf denen die Lohnzahlungen zu sehen sind.
  • Die Stücklohnvereinbarung (piece rate agreement) mit dem Satz pro Stück, wenn Sie nach Leistung bezahlt werden.
  • Gruppenbescheinigungen (group certificates) Ihrer Arbeitgeber.

Der einfachste Schutz ist ein Lohn, der auf ein eigenes australisches Konto fließt. In Australien zahlen Arbeitgeber den Lohn in der Regel auf das Konto und geben einen Lohnzettel mit Verdienst, gezahlter Steuer und Superannuation. Barzahlung ohne Lohnzettel ist schwer zu belegen. Wie Sie gleich nach der Ankunft Steuernummer (TFN) und Konto einrichten, erklärt unser Beitrag Erste Schritte in Australien.

Führen Sie zusätzlich eine eigene Liste mit Betrieb, Ort, Tätigkeit, erstem und letztem Arbeitstag. Sie ersetzt keinen Nachweis, zeigt Ihnen aber Lücken früh.

Schritt für Schritt zum zweiten Working Holiday Visum

  1. Stelle prüfen, bevor Sie zusagen: Gehören Tätigkeit und Arbeitsort zur Specified Work? Sehen Sie auf der Seite von Home Affairs nach.
  2. Bezahlung klären: Lassen Sie sich Stundenlohn oder Stücklohn schriftlich bestätigen und fragen Sie, nach welchem Award bezahlt wird.
  3. Konto und TFN einrichten: Der Lohn sollte auf Ihr eigenes australisches Konto gehen, damit Kontoauszüge die Zahlungen zeigen.
  4. Jede Woche sammeln: Lohnzettel speichern, Kontoauszüge herunterladen, die eigene Liste mit Daten und Arbeitstagen fortführen.
  5. Tage nachrechnen: Prüfen Sie Kalendertage und Zahl der Schichten im Vergleich zu einer Vollzeitstelle; planen Sie Puffer ein.
  6. Visumstatus beachten: Stellen Sie den Antrag im Land, solange Ihr reguläres Visum gültig ist oder vor weniger als 28 Tagen abgelaufen ist, oder von außerhalb Australiens.
  7. Antrag mit allen Nachweisen stellen: Laden Sie die Unterlagen für alle angegebenen Zeiträume hoch und prüfen Sie die Grundgebühr in der aktuellen Preisliste.

Für ein drittes Jahr gilt dieselbe Ordnung mit mindestens 179 Kalendertagen; die Bedingungen stehen auf der Seite zum dritten Working Holiday Visum.

Häufige Fehler bei den 88 Tagen

  • Auf britische Erfahrungsberichte verlassen: Die Befreiung von der Specified Work gilt nur für britische Pässe, nicht für deutsche.
  • Nur Kalendertage zählen: Neben den 88 Tagen müssen Sie so viele Schichten leisten wie eine Vollzeitkraft. Teilzeit verlängert die Zeit.
  • Bar und ohne Lohnzettel arbeiten: Ohne Lohnzettel und Kontoauszug fehlt der Nachweis für diese Zeit.
  • Den Arbeitsort nicht prüfen: Bau, Bergbau oder Gastgewerbe zählen nur in den festgelegten Gebieten.
  • Für eine Bescheinigung bezahlen: Wer Ihnen gegen Geld Tage verspricht, setzt Ihren Antrag aufs Spiel. Hilfe beim Visumantrag dürfen nur registrierte Migration Agents, Rechtsanwälte oder ausgenommene Personen leisten.

Nach Work and Travel: Wege mit Visumsponsoring

Das zweite und dritte Working Holiday Visum verlängern Ihren Aufenthalt, sind aber kein Visumsponsoring und führen nicht von selbst zu einem Arbeitsvisum. Wer nach dem Working Holiday mit seinem Beruf in Australien bleiben möchte, braucht einen anderen Weg, zum Beispiel einen Arbeitgeber, der das Skills-in-Demand-Visum (Subclass 482) sponsert. Wie das funktioniert, erklärt unser Leitfaden zum Visum 482.

Aktuelle Stellen von Arbeitgebern, die Visumsponsoring anbieten oder in Betracht ziehen, finden Sie in unseren Jobs in Australien und Neuseeland. Für Bewerbungen dort brauchen Sie einen CV auf Englisch; mit Build AI CV erstellen Sie Ihren englischen CV. Haben Sie schon über 30, lohnt sich vorab ein Blick auf unseren Beitrag zum Working Holiday Visum bis 35.

Häufig gestellte Fragen

Brauche ich mit deutschem Pass für das zweite Working Holiday Visum wirklich Specified Work?

Ja. Die Ausnahme von der Specified Work gilt nur für Anträge mit einem Pass des Vereinigten Königreichs, die ab dem 1. Juli 2024 gestellt werden. Mit deutschem Reisepass brauchen Sie für das zweite Visum 3 Monate und für das dritte 6 Monate Specified Work.

Zählen Wochenenden bei den 88 Tagen mit?

Ja, Home Affairs rechnet in Kalendertagen und zählt Wochenenden und Ruhetage mit. Zusätzlich müssen Sie in dieser Zeit so viele normale Arbeitstage oder Schichten leisten wie eine Vollzeitkraft in derselben Tätigkeit und Branche. Wer weniger arbeitet, braucht entsprechend länger.

Kann ich die 88 Tage schneller schaffen, wenn ich zwei Jobs an einem Tag mache?

Nein. Arbeit an einem Kalendertag zählt nie als mehr als ein Tag Specified Work, auch wenn Sie für einen oder mehrere Arbeitgeber das Doppelte eines normalen Arbeitstags leisten. Zwei Schichten bringen mehr Lohn, aber keinen zusätzlichen Tag.

Zählt unbezahlte Arbeit auf einer Farm gegen Kost und Logis?

Nein. Specified Work muss nach australischem Recht und dem passenden Award bezahlt werden. Freiwillige, unbezahlte Arbeit zählt nur bei Wiederaufbauarbeiten in Gebieten, die nach Buschfeuern oder anderen Naturkatastrophen offiziell zum Katastrophengebiet erklärt wurden.

Welche Nachweise sollte ich für das zweite Visum aufheben?

Heben Sie Lohnzettel (pay slips), australische Kontoauszüge für den Zeitraum, bei Stücklohn die Vereinbarung mit dem Satz pro Stück und Gruppenbescheinigungen (group certificates) auf. Die Nachweise müssen alle Zeiträume abdecken, die Sie angeben, also jede Stelle von Anfang bis Ende.

Das Wichtigste in Kürze

  • Mit deutschem Pass brauchen Sie für das zweite Visum 417 mindestens 88 Kalendertage Specified Work, für das dritte mindestens 179.
  • Die Befreiung von der Specified Work gilt nur für britische Pässe.
  • Zusätzlich zu den Kalendertagen zählt die Zahl der Schichten einer Vollzeitkraft; ein Kalendertag zählt nur einmal.
  • Nur bezahlte Arbeit nach Award zählt, in festgelegten Branchen und Gebieten.
  • Sammeln Sie ab dem ersten Tag Lohnzettel, Kontoauszüge und die Stücklohnvereinbarung.

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