Gesellenbrief auf Englisch: Warum Sie die Übersetzung zuerst bei Ihrer Kammer anfragen sollten
Tipps · 27.10.2026 · 10 Min. Lesezeit

Wenn Sie Ihren Gesellenbrief auf Englisch brauchen, fragen Sie zuerst bei der Kammer, die Sie geprüft hat. Nach § 31 Abs. 3 HwO wird dem Zeugnis der Gesellenprüfung auf Antrag eine englische und eine französische Übersetzung beigefügt, und § 37 Abs. 3 BBiG sieht dasselbe für das Zeugnis der Abschlussprüfung vor, etwa bei der IHK. Ob diese Fassung für Ihr Visum oder Ihr Skills Assessment genügt, entscheidet allerdings die Stelle in Australien oder Neuseeland. Für alle anderen Unterlagen, vor allem Arbeitszeugnisse, brauchen Sie weiterhin einen Übersetzer.
Dieser Beitrag dreht sich nur um das Prüfungszeugnis aus Ihrer Ausbildung: was Ihnen zusteht, wo die Grenzen liegen und wie Sie die englische Fassung sinnvoll einsetzen. Die allgemeinen Formvorgaben für Übersetzer stehen in unserem Beitrag zur beglaubigten Übersetzung fürs Visum, den Gesamtüberblick bietet die Unterlagen-Checkliste für Australien und Neuseeland.
Was BBiG und Handwerksordnung Ihnen zusichern
Die duale Ausbildung endet je nach Beruf mit einer von zwei Prüfungen. Beide sind gesetzlich geregelt, und beide Gesetze enthalten einen kurzen Absatz, den viele Fachkräfte nicht kennen.
Abschlussprüfung nach § 37 BBiG
Jeder anerkannte Ausbildungsberuf endet mit einer Abschlussprüfung. Wer nicht besteht, kann sie zweimal wiederholen; wer besteht, erhält ein Zeugnis, und für Auszubildende ist die Prüfung gebührenfrei. Absatz 3 regelt die Übersetzung: Auf Antrag des Auszubildenden wird dem Zeugnis eine englische und eine französische Übersetzung beigefügt. Das betrifft zum Beispiel Industriemechaniker, Mechatroniker oder Elektroniker, die ihre Prüfung bei der IHK abgelegt haben.
Gesellenprüfung nach § 31 HwO
Im Handwerk heißt die Prüfung Gesellenprüfung. Sie findet in den anerkannten Ausbildungsberufen der Handwerke aus Anlage A und Anlage B der Handwerksordnung statt, kann ebenfalls zweimal wiederholt werden, endet mit einem Zeugnis und ist für den Lehrling gebührenfrei. Auch hier sagt Absatz 3: Auf Antrag wird dem Zeugnis eine englische und eine französische Übersetzung beigefügt.
„Gesellenbrief“ ist übrigens das Alltagswort. Im Gesetz heißt das Dokument Zeugnis über die Gesellenprüfung. Fragen Sie bei der Handwerkskammer deshalb ruhig nach der „englischen Übersetzung des Gesellenprüfungszeugnisses nach § 31 Abs. 3 HwO“, dann ist klar, worum es geht.
Welche Zeugnisse die Kammer übersetzt und welche nicht
Die beiden Absätze sind eng gefasst. Sie nennen nur das Zeugnis der Abschlussprüfung und das der Gesellenprüfung. Alles andere aus Ihrem Berufsleben fällt nicht darunter.
| Dokument | Rechtsgrundlage | Englische Fassung von der Kammer? | Was Sie tun |
|---|---|---|---|
| Zeugnis der Abschlussprüfung (z. B. IHK) | § 37 BBiG | Ja, auf Antrag, zusammen mit einer französischen | Bei der zuständigen Stelle anfragen, die geprüft hat |
| Gesellenprüfungszeugnis (Gesellenbrief) | § 31 HwO | Ja, auf Antrag, zusammen mit einer französischen | Bei Ihrer Handwerkskammer anfragen |
| Zeugnis der Meisterprüfung | § 45 HwO | In diesen Absätzen nicht vorgesehen | Bei der Kammer nachfragen, sonst übersetzen lassen |
| Arbeitszeugnisse vom Betrieb | keine solche Regel | Nein | Von einem Übersetzer mit englischem Vermerk übersetzen lassen |
| Führungszeugnis | Bundesamt für Justiz | Nur die Überschriften zu Ihren Daten sind dreisprachig | Übersetzung nach den Vorgaben des Ziellandes |
Sonderfall Meister
Die Meisterprüfung zeigt nach § 45 HwO, dass Sie ein zulassungspflichtiges Handwerk auf Meisterniveau ausüben, einen Betrieb selbstständig führen und Lehrlinge ausbilden können. Sie besteht aus vier selbstständigen Teilen, von der praktischen Arbeit bis zu den berufs- und arbeitspädagogischen Kenntnissen. Wer sie bestanden hat, darf neben dem Meistertitel auch „Bachelor Professional in“ mit dem Namen des Handwerks führen.
Gerade diese Bezeichnung braucht im Ausland eine Erklärung. Der „Bachelor Professional“ ist nach der Handwerksordnung ein Abschluss der beruflichen Fortbildung. Schreiben Sie im englischen CV deshalb dazu, dass es sich um die Meisterprüfung im Handwerk handelt, und legen Sie Ihren Gesellenbrief mit vor, damit die ganze Ausbildung sichtbar wird.
Reicht die Kammer-Fassung für Australien?
Das australische Innenministerium (Department of Home Affairs) verlangt für das Visum Skills in Demand (Subclass 482), dass jedes Dokument, das nicht auf Englisch ist, ins Englische übersetzt und zusammen mit dem Original eingereicht wird. Übersetzer außerhalb Australiens brauchen keine Akkreditierung. Sie müssen aber auf jeder Übersetzung ihren vollständigen Namen, ihre Adresse, ihre Telefonnummer sowie ihre Qualifikation und Erfahrung in der Sprache angeben. So steht es auf der Seite von Home Affairs zum Core Skills Stream.
Hier liegt der Knackpunkt. Die Fassung Ihrer Kammer gehört zu Ihrem Zeugnis, aber das Gesetz sagt nichts darüber, ob darauf diese Angaben zum Übersetzer stehen. Schauen Sie sich Ihr Exemplar genau an. Fehlen die Angaben, klären Sie vorab mit der Stelle, die Ihre Unterlagen prüft, ob sie die Kammer-Fassung so annimmt. Sonst lassen Sie das Zeugnis zusätzlich übersetzen und geben die Kammer-Fassung als Ergänzung mit.
Für das Working Holiday Visum (Subclass 417) gilt die gleiche Grundregel; beglaubigt sein muss dort laut Home Affairs kein Dokument. Und die australische Botschaft in Berlin erinnert daran, dass sie Unterlagen weder per E-Mail noch per Post annimmt: Alles läuft über ImmiAccount.
Gesellenbrief und Skills Assessment
Für manche Berufe und Gruppen von Antragstellern ist beim Visum 482 ein Skills Assessment Pflicht. Home Affairs möchte es möglichst vor dem Antrag abgeschlossen sehen, und die Referenznummer gehört in den Antrag. Für viele Handwerksberufe ist Trades Recognition Australia (TRA) zuständig. Das Migration Skills Assessment von TRA ist eine Prüfung nach Aktenlage für Anträge auf ein Fachkräftevisum; es kostet insgesamt $795 und ist nicht für Anträge auf das Visum 482 gedacht.
Bei einer Prüfung nach Aktenlage zählt jedes Blatt. TRA vergleicht Qualifikation und Berufserfahrung mit australischen Standards, ein Gesellenbrief allein zeigt also nur die halbe Geschichte. Wichtig auch: TRA vergibt keine australischen Qualifikationen, Registrierungen oder Lizenzen. Wie das Verfahren für Gesellen und Meister abläuft, erklärt unser Beitrag Ausbildung in Australien anerkennen.
Wer nach einigen Jahren im Land eine australische Qualifikation anstrebt, findet bei RPLDirect Informationen zur Anerkennung von Berufserfahrung (Recognition of Prior Learning) in Australien. Das ersetzt kein Skills Assessment für das Visum, kann aber für den weiteren Berufsweg vor Ort interessant sein.
Neuseeland: Gesellenbrief und International Qualification Assessment
Für ein Accredited Employer Work Visa (AEWV) kann Immigration New Zealand (INZ) ein International Qualification Assessment (IQA) verlangen. Es zeigt, dass eine Qualifikation aus dem Ausland in Neuseeland verwendet werden kann. Die Bewertung übernimmt die NZQA.
Laut der Gebührenseite der NZQA kostet ein Standard IQA für eine Qualifikation NZ$445, ein Skill Shortage List IQA NZ$610. Für Abschlüsse, die vor 1998 erworben wurden, kommen NZ$275 hinzu. Die NZQA nennt derzeit durchschnittlich 10 Wochen Wartezeit; ist ein Antrag vollständig, schließt sie 90 Prozent innerhalb von 3 Wochen ab. Erstattungen gibt es in der Regel nicht, deshalb reichen Sie erst ein, wenn alle Unterlagen beisammen sind.
Ausdrücklich zertifizierte englische Übersetzungen verlangt INZ für ärztliche Bescheinigungen und Polizeizeugnisse. Welche Form die NZQA für Ihr Prüfungszeugnis erwartet, lesen Sie vor dem Antrag auf ihren Seiten nach. Achten Sie bei jeder Übersetzung auf Ihren Namen: INZ bittet darum, die englische Schreibweise aus dem Reisepass zu verwenden. Steht auf dem Gesellenbrief „Jörg Strauß“ und im Pass „JOERG STRAUSS“, tragen Sie die abweichende Schreibweise im Formular unter „other names“ ein. Warum Neuseeland gerade Elektriker, Klempner und Schweißer sucht, lesen Sie im Beitrag Mit dem Gesellenbrief nach Neuseeland.
So kommen Sie Schritt für Schritt zur englischen Fassung
- Klären Sie, welches Zeugnis Sie haben: das Zeugnis einer Abschlussprüfung nach BBiG (oft IHK) oder das Zeugnis einer Gesellenprüfung nach HwO (Handwerkskammer).
- Beantragen Sie bei der Stelle, die Sie geprüft hat, die englische Übersetzung nach § 37 Abs. 3 BBiG oder § 31 Abs. 3 HwO. Fragen Sie dabei, ob Kosten entstehen und wie lange es dauert.
- Prüfen Sie die erhaltene Fassung: Stimmen Name und Geburtsdatum mit dem Reisepass überein, und ist der Ausbildungsberuf korrekt bezeichnet?
- Lesen Sie bei Ihrer Assessment-Stelle oder auf der Visumseite nach, ob die Fassung ohne eigenen Übersetzervermerk akzeptiert wird. Im Zweifel lassen Sie zusätzlich übersetzen.
- Lassen Sie alle übrigen Dokumente übersetzen, vor allem Arbeitszeugnisse und das Zeugnis der Meisterprüfung, mit dem englischen Vermerk, den Home Affairs verlangt.
- Bauen Sie Ihren englischen CV passend zu den Zeugnissen auf. Für das Visum 482 muss er die Berufs- und Ausbildungsstationen der letzten mindestens 5 Jahre mit Daten und Positionen zeigen; mit Build AI CV erstellen Sie den CV auf Englisch, und unser Ratgeber zum Lebenslauf für Australien zeigt den Aufbau.
- Laden Sie Original und Übersetzung immer gemeinsam hoch, in Australien über ImmiAccount.
Mit den Unterlagen in der Hand lohnt der Blick auf passende Stellen, etwa als Fabricator / Welder in Perth oder als Fitter / Turner and Welder in Christchurch. Wie das Sponsoring durch den Arbeitgeber beim Visum 482 abläuft, erklärt unser Ratgeber zum Skills in Demand Visum.
Häufige Fehler beim Gesellenbrief auf Englisch
- Zuerst zum Übersetzer gehen. Viele bezahlen eine Übersetzung des Prüfungszeugnisses, ohne zu wissen, dass die Kammer auf Antrag eine englische Fassung beifügt.
- Die Kammer-Fassung für ein Universal-Dokument halten. Ob sie ohne Übersetzervermerk reicht, entscheidet die Stelle in Australien oder Neuseeland, nicht die Kammer.
- Nur den Gesellenbrief übersetzen. Ein Skills Assessment nach Aktenlage schaut auch auf die Berufserfahrung. Ohne übersetzte Arbeitszeugnisse fehlt ein großer Teil.
- Den Meistertitel unerklärt lassen. „Bachelor Professional“ ohne Hinweis auf die Meisterprüfung kann im Ausland missverstanden werden.
- Das IQA zu früh beantragen. Die NZQA erstattet in der Regel nichts, wenn Unterlagen fehlen.
- Selbst übersetzen. Für Neuseeland akzeptiert INZ keine Übersetzungen von Ihnen, Ihrer Familie oder Ihrem Berater.
Häufig gestellte Fragen
Steht mir eine englische Übersetzung meines Gesellenbriefs zu?
Ja. Nach § 31 Abs. 3 HwO wird dem Zeugnis der Gesellenprüfung auf Antrag des Lehrlings eine englische und eine französische Übersetzung beigefügt. Wenden Sie sich an die Handwerkskammer, bei der Sie die Prüfung abgelegt haben.
Gilt das auch für ein Abschlusszeugnis der IHK?
Ja. § 37 Abs. 3 BBiG sieht für das Zeugnis der Abschlussprüfung eines anerkannten Ausbildungsberufs dieselbe Regel vor. Die englische und die französische Übersetzung werden auf Antrag beigefügt; fragen Sie bei der zuständigen Stelle, die Sie geprüft hat.
Akzeptiert Australien die Übersetzung der Kammer für das Visum 482?
Das hängt von der Form ab. Home Affairs verlangt auf jeder Übersetzung von außerhalb Australiens Name, Adresse, Telefonnummer und Sprachqualifikation des Übersetzers. Fehlen diese Angaben auf der Kammer-Fassung, klären Sie die Annahme vorab oder lassen Sie zusätzlich übersetzen.
Gibt es diese Übersetzung auch für den Meisterbrief?
Die beiden Absätze in BBiG und HwO nennen nur die Zeugnisse der Abschlussprüfung und der Gesellenprüfung. Für das Zeugnis der Meisterprüfung fragen Sie bei Ihrer Kammer nach oder lassen es von einem Übersetzer mit englischem Vermerk übersetzen.
Brauche ich den Gesellenbrief auf Englisch auch für Neuseeland?
Für ein AEWV kann ein International Qualification Assessment der NZQA nötig sein, und dafür brauchen Sie Ihre Zeugnisse. Welche Übersetzung die NZQA erwartet, steht auf ihren Seiten. Ausdrücklich zertifizierte Übersetzungen verlangt INZ für ärztliche Bescheinigungen und Polizeizeugnisse.
Das Wichtigste in Kürze
- Für Gesellenprüfung (§ 31 Abs. 3 HwO) und Abschlussprüfung (§ 37 Abs. 3 BBiG) gibt es auf Antrag eine englische und französische Übersetzung des Zeugnisses.
- Fragen Sie zuerst bei Ihrer Kammer, bevor Sie einen Übersetzer bezahlen.
- Ob die Kammer-Fassung reicht, entscheidet die Stelle in Australien oder Neuseeland; Home Affairs verlangt Angaben zum Übersetzer.
- Arbeitszeugnisse und das Zeugnis der Meisterprüfung fallen nicht unter diese Regel.
- Für Neuseeland planen Sie ein mögliches IQA der NZQA mit Gebühren und Wartezeit ein.
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