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Nach dem Studium in Australien bleiben? Was der Plan der Opposition für das Graduate-Visum bedeuten könnte

Neuigkeiten · 06.10.2026 · 4 Min. Lesezeit

Zwei Studierende sprechen an einem Tisch mit Laptop und Notizbuch auf einem sonnigen australischen Campus.

Erst studieren, dann ein paar Jahre in Australien arbeiten: Für viele Studierende aus Deutschland ist das ein attraktiver Plan. Am 6. Oktober 2026 hat die Opposition in Australien, das Bündnis aus Liberal Party und National Party (die Coalition), ein Migrationskonzept vorgestellt, das genau diesen Weg treffen würde. Vorweg das Wichtigste: Es handelt sich nur um einen Vorschlag. Er würde erst gelten, wenn die Coalition die Regierung übernimmt und die Änderungen dann umsetzt. Die heutigen Regeln für Studenten- und Graduate-Visa bleiben unverändert.

Was die Coalition vorschlägt

Insgesamt soll die Nettozuwanderung in den ersten zwei Jahren einer Coalition-Regierung auf 100.000 sinken und im vierten Jahr bei bis zu 160.000 liegen. Dazu kommen deutliche Kürzungen bei Visa für internationale Studierende, bei Überbrückungsvisa (Bridging Visas) und bei befristeten Schutzvisa, und die Zahl der humanitären Plätze soll halbiert werden.

Am stärksten träfe der Plan Studierende und Absolventen. Das Temporary Graduate Visa, mit dem viele nach dem Abschluss eine Zeit lang in Australien arbeiten, soll abgeschafft werden:

  • Die Zahl der Inhaber soll bis 2031-32 von 271.200 auf nur noch 10.000 sinken.
  • Vor der Abschaffung ist eine Übergangsphase von vier Jahren vorgesehen.
  • Wer danach in Australien bleiben möchte, müsste zuerst in die Heimat zurückkehren und ein anderes befristetes Visum beantragen.
  • Ausnahmen sind für einige Absolventen in Bereichen mit Priorität wie Gesundheit und Bildung sowie in manchen ländlichen Regionen geplant.
  • Neue internationale Studierende sollen auf 240.000 begrenzt werden, weniger als die aktuelle Planungsgröße von 295.000. Die Regierung erwartet für dieses Kalenderjahr rund 250.000 Studienanfänger.

Die Opposition begründet das so: Das Arbeitsrecht nach dem Studium sei als Weg zum Daueraufenthalt oder zur Staatsbürgerschaft vermarktet worden, statt als Teil einer Ausbildung. Ohne dieses Visum könne sich das Migrationsprogramm auf die Fähigkeiten konzentrieren, die Australien braucht.

Streit um das Handelsabkommen mit Indien

Ein Branchenverband der internationalen Bildung warnt, der Plan könnte gegen Australiens Freihandelsabkommen mit Indien verstoßen. Ein Zusatzschreiben aus dem April 2022 sichert ehemaligen Studierenden befristete Aufenthalte nach dem Studium zu: bis zu 18 Monate nach einer Berufs- oder Diploma-Ausbildung, bis zu zwei Jahre nach einem Bachelor, bis zu drei Jahre nach einem Bachelor in MINT-Fächern (STEM) oder einem Master und bis zu vier Jahre nach einer Promotion. Indien stellt nach China die zweitgrößte Gruppe internationaler Studierender in Australien. Die Coalition bestreitet einen Vertragsbruch: Australien entscheide selbst, welche Visa es dafür anbietet.

Kritik von Universitäten und Regierung

Der Dachverband der Universitäten sieht die Gefahr dauerhafter Schäden für Hochschulen und Wirtschaft. Weniger Arbeitsrecht nach dem Studium könne Australien für talentierte Studierende weniger attraktiv machen, gerade wenn mehr Fachkräfte gebraucht werden. Auch die Regierung kritisiert den Vorschlag: Viele gute Studierende würden andere Länder wählen, und das schade der internationalen Bildung, dem viertgrößten Exportbereich Australiens. Mehr zu den Sorgen der Hochschulen lesen Sie in unserem Beitrag über die Warnungen der australischen Universitäten.

Was das für Studierende aus Deutschland heißt

Deutschland wird in dem Plan nicht erwähnt, und er ist kein Gesetz. Sollte er eines Tages kommen, hätten Absolventen aus allen Ländern weniger Möglichkeiten, direkt nach dem Abschluss in Australien zu arbeiten, außer in Bereichen mit Priorität oder in bestimmten ländlichen Regionen. Wer ein Studium vor allem als Sprungbrett in den australischen Arbeitsmarkt plant, sollte diese Unsicherheit einrechnen. Ein Working Holiday Visum ist übrigens ein eigenes Visum und kein Studentenvisum; der Vorschlag nennt es nicht. Wie die Pläne für Familienangehörige von Studierenden aussehen, erklärt unser Beitrag zu den Regeln für mitreisende Angehörige.

Häufig gestellte Fragen

Gilt die Abschaffung des Graduate-Visums schon?

Nein. Es ist ein Vorschlag der Opposition. Er würde nur gelten, wenn die Coalition die Regierung übernimmt und das Recht ändert.

Wie lange würde der Übergang dauern?

Der Plan sieht eine Übergangsphase von vier Jahren vor. Erst danach soll das Visum wegfallen.

Wer dürfte nach dem Studium trotzdem bleiben?

Einige Absolventen in Bereichen mit Priorität wie Gesundheit und Bildung sowie in manchen ländlichen Regionen. Alle anderen müssten zunächst ausreisen und ein anderes befristetes Visum beantragen.

Was kann ich jetzt tun?

Planen Sie nach den heute geltenden Regeln und verfolgen Sie offizielle Ankündigungen auf den Visumseiten des Department of Home Affairs. Wählen Sie einen Studiengang, der Ihrer Karriere wirklich nützt, und halten Sie einen englischen CV bereit, zum Beispiel mit Build AI CV.

Gibt es auch andere Wege, in Australien zu arbeiten?

Ja, zum Beispiel eine Stelle bei einem Arbeitgeber, der das Visum sponsert. Aktuelle Angebote finden Sie in unserer Jobübersicht; die Bewerbung ist kostenlos.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Opposition will das Temporary Graduate Visa nach vier Jahren Übergang abschaffen.
  • Die Zahl der Inhaber soll bis 2031-32 von 271.200 auf 10.000 sinken.
  • Neue internationale Studierende sollen auf 240.000 begrenzt werden.
  • Es ist nur ein Vorschlag: Die heutigen Regeln gelten unverändert.

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