Studieren in Australien: Was ein Vorschlag zur Kürzung der Studierendenzahlen für Sie bedeuten könnte
Neuigkeiten · 15.09.2026 · 4 Min. Lesezeit

Wer aus Deutschland ein Studium in Australien plant oder nach dem Abschluss dort arbeiten möchte, verfolgt die australische Migrationsdebatte am besten genau. Die Partei One Nation hat einen Plan vorgestellt, der die Zahl internationaler Studierender drastisch senken soll. Australische Hochschulen schlagen deshalb Alarm. Es handelt sich um einen Vorschlag einer Partei, nicht um geltendes Recht. Trotzdem zeigt die Diskussion, wie unsicher die Rahmenbedingungen für internationale Studierende werden können.
Was die Partei vorschlägt
Nach dem Plan sollen die Einschreibungen internationaler Studierender von rund 590.000 auf 350.000 sinken. Noch stärker träfe es den Weg, auf dem Absolventinnen und Absolventen nach dem Studium in Australien bleiben und arbeiten können: Hier sollen die Plätze von 270.000 auf nur noch 40.000 schrumpfen. Die Hochschulen werden in der Debatte als bloße „Visafabriken“ dargestellt. Die Branche hält diese Darstellung für grundlegend falsch.
Warum die Hochschulen widersprechen
Der Dachverband der australischen Universitäten warnt vor Folgen, die weit über die Einschreibezahlen hinausgehen. Ganze Standorte könnten schließen müssen, einheimische Studierende könnten schwerer einen Studienplatz bekommen, und Beschäftigte an Hochschulen im ganzen Land könnten ihre Stelle verlieren. Auch der Verband für internationale Bildung kritisiert, dass junge Menschen, die eine gute Ausbildung suchen, zum Sündenbock für allgemeine Sorgen über Zuwanderung gemacht werden. Er erinnert zudem an einen strategischen Punkt: Wer in Australien studiert und danach in die Heimat zurückkehrt, wird dort oft zu einer einflussreichen Stimme und bleibt dem Land verbunden.
Wie Studiengebühren das System tragen
Ein Aspekt kommt in der politischen Diskussion selten vor: Australische Universitäten nutzen die Gebühren internationaler Studierender seit Jahren, um die Ausbildung einheimischer Studierender mitzufinanzieren. Das hängt mit der Job-Ready-Graduates-Politik aus dem Jahr 2020 zusammen, die verändert hat, wie viel die Hochschulen für die Lehre einheimischer Studierender erhalten.
Nach den jüngsten Zahlen für den gesamten Sektor machen die Gebühren internationaler Studierender rund 27 Prozent der gesamten Einnahmen der Universitäten aus. Das ist keine Nebeneinnahme, sondern eine tragende Säule, von den Ingenieur- und Gesundheitswissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Auch die Forschung hängt daran: Die Universitäten leisten den größten Teil der australischen Forschung und Entwicklung. Ein starker Rückgang der Einschreibungen könnte diese Kapazität schwächen.
Ein Sektor unter doppeltem Druck
Die Sorgen hinter solchen Vorschlägen kommen nicht aus dem Nichts. Nach der Pandemie stieg die Zahl internationaler Studierender auf Rekordwerte, an einigen Universitäten stellten sie fast die Hälfte aller Eingeschriebenen. Die australische Regierung hat bereits vor zwei Jahren Obergrenzen für internationale Studierende eingeführt, und die Branche rechnet mit weiteren Einschränkungen, egal welche Partei künftig regiert. Fachleute aus der Hochschulforschung sprechen von populistischem Taktieren, das jahrzehntelang parteiübergreifend getragene Regeln gefährden könnte. Befristete und dauerhafte Zuwanderung ist in Australien kein Randthema, sondern in ganze Branchen eingewoben, ähnlich wie die Landwirtschaft seit Langem auf Saisonkräfte und Backpacker angewiesen ist.
Was das für Interessierte aus Deutschland heißt
Für Sie als Studieninteressierte oder Studierende aus Deutschland gilt: Ein Studentenvisum ist ein anderes Visum als eine Stelle mit Visumsponsoring durch einen Arbeitgeber, und ein Working Holiday ist wieder etwas anderes. Wer nach dem Studium in Australien arbeiten möchte, sollte nicht fest damit rechnen, dass die heutigen Regeln für Absolventen unverändert bleiben. Planen Sie Alternativen mit ein, zum Beispiel eine spätere Bewerbung bei Arbeitgebern, die Fachkräfte sponsern. Weitere Hintergründe finden Sie in unseren Beiträgen zur geplanten Reform der Studentenvisa in Australien und zu den steigenden Ablehnungen von Studentenvisa.
Häufig gestellte Fragen
Gilt die geplante Kürzung schon?
Nein. Es handelt sich um den Vorschlag einer Partei. Ob und in welcher Form er umgesetzt wird, hängt von der künftigen Politik ab. Bereits eingeführt sind dagegen die Obergrenzen, die die Regierung vor zwei Jahren eingeführt hat.
Warum sind internationale Studierende für australische Universitäten so wichtig?
Ihre Gebühren machen rund 27 Prozent der Einnahmen der Universitäten aus. Damit wird auch die Lehre für einheimische Studierende und ein großer Teil der Forschung mitfinanziert.
Kann ich nach dem Studium in Australien bleiben und arbeiten?
Heute gibt es dafür einen Weg für Absolventen. Der Vorschlag würde diese Plätze von 270.000 auf 40.000 senken. Verlassen Sie sich deshalb nicht allein auf diesen Weg und informieren Sie sich vor dem Studium über Ihre Optionen.
Ist ein Studentenvisum dasselbe wie ein Arbeitsvisum mit Sponsoring?
Nein. Ein Studentenvisum dient dem Studium. Eine Stelle mit Visumsponsoring setzt einen Arbeitgeber voraus, der Sie für ein Arbeitsvisum sponsert. Das sind zwei getrennte Wege mit eigenen Regeln.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Partei schlägt vor, internationale Einschreibungen von rund 590.000 auf 350.000 zu senken.
- Die Plätze für Absolventen, die bleiben und arbeiten wollen, sollen von 270.000 auf 40.000 fallen.
- Hochschulen warnen vor Schließungen, Stellenabbau und weniger Forschung.
- Gebühren internationaler Studierender tragen rund 27 Prozent der Einnahmen der Universitäten.
- Wer aus Deutschland zum Studium nach Australien geht, sollte einen Plan B für die Zeit danach haben.
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