Studium in Australien, Job unter Niveau? Was eine Regierungsstudie Absolventen aus Deutschland zeigt
Neuigkeiten · 07.10.2026 · 4 Min. Lesezeit

Ein Abschluss in Australien und danach der passende Job: So stellen sich viele Studierende aus Deutschland den Weg vor. Eine Studie der australischen Regierung zeigt, dass der zweite Teil oft schwieriger ist als gedacht. Mehr als die Hälfte der internationalen Absolventen, die in Australien arbeiten, ist unter ihrem Qualifikationsniveau beschäftigt. Das deutet auf eine große Lücke zwischen Ausbildung, Migration und Arbeitsmarkt hin.
Was die Studie untersucht hat
Die International Students Pathways and Outcomes Study von Jobs and Skills Australia erschien im September 2025. Sie begleitete Studierende, die 2010/11 ein Studium in Australien begonnen hatten, und verfolgte ihren Weg bis Ende 2023. Die Regeln danach, etwa die Änderungen aus der Migrationsstrategie der Regierung, sind darin also noch nicht berücksichtigt.
Wie viele dauerhaft geblieben sind
Etwa 35 bis 40 Prozent der Studierenden, die Anfang der 2010er-Jahre begonnen hatten, erhielten innerhalb von 10 Jahren einen Daueraufenthalt (Permanent Residency). Betrachtet man nur Absolventen von Hochschulen und Berufsbildung, die in den verknüpften Steuer- und Beschäftigungsdaten zu finden waren, lag der Anteil höher: Mehr als die Hälfte von ihnen blieb dauerhaft.
Bleiben heißt nicht automatisch Fachjob
- Mehr als die Hälfte der internationalen Absolventen mit Abschlüssen auf der höchsten Qualifikationsstufe arbeitete in Jobs, die weniger Können verlangen.
- Bei einheimischen Absolventen waren es nur etwa 20 bis 30 Prozent.
- Internationale Absolventen fanden seltener Arbeit in ihrem Fachgebiet, Hochschulabsolventen noch seltener als Absolventen der beruflichen Bildung (VET).
- Im Schnitt verdienten sie weniger als einheimische Absolventen mit gleichem Abschluss.
Die Hürden, die die Studie nennt
Als Gründe nennt die Studie mangelnde Englischkenntnisse, wenig praktische Arbeitserfahrung in Australien, Unsicherheit von Arbeitgebern bei befristeten Visa, Schwierigkeiten bei der Anerkennung von Erfahrung aus dem Ausland, Vorurteile bei der Personalauswahl und die Ansicht mancher Arbeitgeber, internationale Absolventen seien weniger einsatzbereit.
So bereiten Sie sich aus Deutschland vor
Viele dieser Hürden können Sie schon vor dem Abflug angehen:
- Englisch nachweisen: Ein deutscher Reisepass gilt nicht als Nachweis für Englischkenntnisse. Wenn Hochschule, Visum oder Arbeitgeber IELTS oder PTE verlangen, üben Sie rechtzeitig, zum Beispiel mit PractiseNow.
- Erfahrung verständlich machen: Lassen Sie Arbeitszeugnisse und Abschlusszeugnisse ins Englische übersetzen, damit australische Arbeitgeber Ihre Erfahrung aus Deutschland einordnen können. Eine abgeschlossene duale Ausbildung sollten Sie dabei klar erklären.
- Praxis vor Ort sammeln: Suchen Sie Praktika oder Nebenjobs, die zu Ihrem Studium passen.
- Einen starken CV vorbereiten: Ein englischer Lebenslauf, der Studium und Erfahrung knapp erklärt, lässt sich gut mit Build AI CV erstellen.
Offizielle Informationen zum Studium bietet die Website Study Australia der australischen Regierung.
Warum das Thema in Australien wichtig ist
Internationale Bildung brachte der australischen Wirtschaft 2023/24 mehr als 50 Milliarden AUD. Jobs and Skills Australia sieht in Absolventen, die bleiben, einen möglichen Beitrag gegen den Fachkräftemangel, doch der holprige Übergang in Fachjobs bremse dieses Potenzial. Politisch ist das Thema umstritten: Manche fordern deutlich weniger Studierende, die Regierung verteidigt das System. Die nationale Planungsgröße liegt für 2026 bei 295.000 neuen internationalen Studierenden und soll 2027 gleich bleiben. In diesem Jahr liegen die Studienanfänge 8 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum 2025 und 13 Prozent unter 2019. Mehr zur Debatte lesen Sie in unserem Beitrag über die Warnungen der Universitäten und in unserem Artikel über den Boom beim Graduate-Visum.
Häufig gestellte Fragen
Wie viele internationale Studierende bekommen einen Daueraufenthalt?
Von denen, die Anfang der 2010er-Jahre begonnen hatten, waren es etwa 35 bis 40 Prozent innerhalb von 10 Jahren. Unter erfassten Hochschul- und VET-Absolventen war es mehr als die Hälfte.
Gilt die Studie auch für die heutigen Regeln?
Nein, sie reicht nur bis Ende 2023. Spätere Änderungen aus der Migrationsstrategie sind nicht enthalten.
Hilft eine Berufsausbildung mehr als ein Studium?
Laut Studie fanden VET-Absolventen eher Arbeit in ihrem Fachgebiet als Hochschulabsolventen. Ein Versprechen für den Einzelfall ist das nicht.
Gibt es auch Wege direkt in einen Job?
Ja, über eine Stelle bei einem Arbeitgeber, der das Visum sponsert. Aktuelle Angebote finden Sie in unserer Jobübersicht; die Bewerbung ist kostenlos.
Das Wichtigste in Kürze
- Mehr als die Hälfte der internationalen Absolventen arbeitet unter ihrem Niveau.
- Bei einheimischen Absolventen sind es etwa 20 bis 30 Prozent.
- Englisch, Praxis vor Ort und verständliche Unterlagen sind entscheidend.
- Die Planungsgröße bleibt 2026 und 2027 bei 295.000 neuen Studierenden.
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