Mehr Debatte als Wirklichkeit: Warum Australien trotz Streit um Zuwanderung Fachkräfte braucht
Neuigkeiten · 11.09.2026 · 4 Min. Lesezeit

In Canberra streiten Politiker über die Nettozuwanderung. Auf Baustellen, Farmen, in Pflegeheimen und in der Gastronomie spielt sich derweil eine andere Geschichte ab: Arbeitgeber finden schlicht nicht genug Leute. Wer aus Deutschland über das Arbeiten in Australien nachdenkt, sollte diesen Unterschied zwischen politischer Debatte und wirtschaftlicher Wirklichkeit kennen. Für viele Fachkräfte sind die Aussichten besser, als die Schlagzeilen vermuten lassen.
Eigentlich fehlen Wohnungen und Handwerker
Der Premier von South Australia hat es deutlich gesagt: Australiens Problem sind nicht zu viele Migranten, sondern zu wenige Wohnungen und zu wenige Handwerker, um sie zu bauen. Elektriker, Zimmerleute und andere Bauberufe fehlen in fast allen Bundesstaaten. Jede Fachkraft, die nicht kommt, verzögert den Wohnungsbau weiter. Bau- und Handwerksberufe dürften deshalb bei Bundesstaaten und Arbeitgebern weiter Vorrang haben, auch wenn andere Visa strenger werden.
Working Holiday spürt den Druck zuerst
Nicht alle Visa werden gleich behandelt. Die Bundesregierung bearbeitet Working-Holiday-Visa inzwischen langsamer. Gerade Landwirtschaft, Gastronomie und Tourismus sind stark auf diese Arbeitskräfte angewiesen. Branchenverbände wie die National Farmers Federation kritisieren, dass die Entscheidung ohne ausreichende Abstimmung getroffen wurde. Für junge Menschen aus Deutschland, die ein Work and Travel in Australien planen, heißt das: Stellen Sie Ihren Antrag früh und rechnen Sie mit längeren Wartezeiten. Wichtig ist auch: Ein Working Holiday ist ein anderes Visum als eine Stelle mit Visumsponsoring durch einen Arbeitgeber.
Die Bundesstaaten halten dagegen
Bemerkenswert ist, dass auch Regierungschefs der Bundesstaaten aus der eigenen Partei der Bundesregierung widersprechen. Victoria nennt Zuwanderung unverzichtbar für den Wohlstand des Landes und verweist auf Gesundheitswesen, Arbeitskräfte und Farmarbeit sowie auf die internationale Bildung, den größten Dienstleistungsexport des Bundesstaats. Western Australia argumentiert ähnlich. Das ist wichtig, weil die Bundesstaaten eigene Programme für die Nominierung von Fachkräften betreiben. Wenn sie so deutlich mehr Arbeitskräfte fordern, dürften sie sich auch für mehr Plätze in diesen Programmen einsetzen.
Was hinter den Zahlen steckt
Die Nettozuwanderung lag 2025 bei fast 301.000, über dem Niveau von rund 210.000 pro Jahr vor der Pandemie. Die Opposition fordert deshalb Obergrenzen von bis zu 170.000. Wirtschaftsverbände wie die Australian Chamber of Commerce and Industry halten dagegen: Entscheidend sei nicht die Gesamtzahl, sondern die Zusammensetzung aus Studierenden, befristet Beschäftigten, Fachkräften und Familien. Änderungen kommen daher eher über Voraussetzungen, Bearbeitungszeiten und Obergrenzen für einzelne Visa als über einen großen Schnitt.
Ihre Chancen nach Bereich
- Handwerk und Bau: Wegen des Wohnungsmangels weiter eine gute Wahl. Ein Gesellenbrief oder Meisterbrief ist eine gute Grundlage, muss aber meist über ein Skills Assessment anerkannt werden.
- Working Holiday und Saisonarbeit: Am stärksten von Verzögerungen betroffen. Früh planen.
- Von Bundesstaaten nominierte Visa: Könnten stabiler sein als die bundesweiten Programme für Fachkräfte.
- Gesundheit und Pflege: Die Bundesstaaten nennen diese Bereiche immer wieder als dringend auf Personal angewiesen.
Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag zu den Änderungen beim Working Holiday Visum und in unserem Artikel zur geplanten Obergrenze der Opposition. Wer Saisonarbeit sucht, findet Angebote bei Seasonal Jobs Australia. Stellen mit Visumsponsoring finden Sie auf unserer Jobseite.
Häufig gestellte Fragen
Schließt Australien die Tür für Fachkräfte?
Nein. Die Debatte dreht sich um Gesamtzahlen, doch Handwerk, Bau und Pflege bleiben gefragt. Änderungen kommen eher über einzelne Visa und Bearbeitungszeiten.
Dauert mein Working Holiday Visum jetzt länger?
Die Bearbeitung von Working-Holiday-Visa wurde verlangsamt. Stellen Sie Ihren Antrag daher frühzeitig. Planen Sie Ihre Reise mit Puffer.
Warum sind die Bundesstaaten wichtig?
Sie betreiben eigene Programme für die Nominierung von Fachkräften. Weil sie mehr Arbeitskräfte fordern, könnten diese Programme stabiler bleiben als andere.
Welche Berufe sind aus Deutschland besonders gefragt?
Vor allem Bau- und Handwerksberufe sowie Gesundheit und Pflege. Für Handwerker ist meist ein Skills Assessment nötig. Ob eine Stelle Sponsoring bietet, steht in der Anzeige.
Das Wichtigste in Kürze
- Australiens Kernproblem sind fehlende Wohnungen und Handwerker.
- Working-Holiday-Visa werden derzeit langsamer bearbeitet.
- Die Bundesstaaten setzen sich für mehr Fachkräfte ein.
- Änderungen betreffen eher einzelne Visa als die Gesamtzahl.
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