Work and Travel, Studium, Handwerk: Was Australiens neue Migrationsregeln für Sie aus Deutschland ändern
Visa-Ratgeber · 19.09.2026 · 5 Min. Lesezeit

Australien zieht bei der Zuwanderung die Zügel an. Das Innenministerium (Department of Home Affairs) hat vor dem National Press Club ein umfangreiches Reformpaket vorgestellt. Die Nettozuwanderung soll künftig festen Zielwerten folgen statt groben Prognosen: 245.000 im laufenden Finanzjahr und 225.000 im nächsten. Für Menschen aus Deutschland, die mit Work and Travel, zum Studium oder als Fachkraft nach Australien wollen, hat das ganz praktische Folgen.
Der Grundgedanke: das richtige Visum für den richtigen Zweck
Die Reform folgt einer einfachen Regel. Wer nur vorübergehend bleibt, braucht ein befristetes Visum, wer dauerhaft bleiben will, ein dauerhaftes. Passt keins von beiden, muss man ausreisen. Hinter diesem einfachen Satz stehen Änderungen, die mehrere bisher übliche Wege nach Australien neu ordnen.
Working Holiday: Los statt Reihenfolge
Für viele junge Menschen aus Deutschland ist das Working Holiday Visum der erste Schritt nach Australien. Das Programm wird grundlegend umgebaut. Die Bearbeitung soll für die meisten Länder wieder normal schnell laufen, doch wer länger als ein Jahr bleiben möchte, braucht künftig Glück bei einer Auslosung:
- Zweites Jahr: höchstens 45.000 Plätze. Vor der Teilnahme an der Auslosung sind weiterhin 88 Tage Arbeit in einer regionalen Gegend erforderlich.
- Drittes Jahr: nur 5.000 Plätze, Voraussetzung sind sechs Monate regionale Arbeit.
Eine Ausnahme gilt für Großbritannien. Dort verlangt das Freihandelsabkommen keine regionale Arbeit, und die Zahl britischer Backpacker ist seit dessen Inkrafttreten von rund 17.000 auf fast 80.000 gestiegen. Dieser Bereich soll bewusst langsamer bearbeitet werden. Für Sie mit deutschem Pass gilt die britische Ausnahme nicht: Wer ein zweites oder drittes Jahr anstrebt, braucht die regionale Arbeit und muss dann bei der Auslosung Erfolg haben. Wenn Sie Ihre regionale Arbeit planen, finden Sie auf Seasonal Jobs Australia Saisonarbeit und Erntehelfer-Stellen in Australien.
Studierende: Schluss mit dem Visa-Hopping
Besonders weitreichend sind die Änderungen für Studierende. Die Regierung will verhindern, dass Hochschul- oder Kurswechsel vor allem dazu dienen, den Aufenthalt zu verlängern.
- Wer den Bildungsanbieter wechseln möchte, muss ein komplett neues Visum beantragen.
- Nach einem Abschluss ist nur noch der Wechsel auf eine höhere Stufe möglich, etwa vom Bachelor zum Master, nicht seitwärts oder abwärts.
- Internationale Studierende dürfen Familienangehörige weitgehend nicht mehr mitbringen. Ausnahmen gelten für Staatsangehörige aus dem Pazifikraum und den ASEAN-Ländern, für Promovierende und für Familien, die bereits in Australien leben.
Für Sie heißt das: Die Wahl des Studiengangs muss von Anfang an sitzen. Spontanes Umplanen vor Ort wird schwierig.
Gute Nachrichten für Handwerker
Handwerksberufe, vor allem im Bau, bekommen im Punktetest für Fachkräfte deutlich mehr Gewicht und werden nun ähnlich bewertet wie ein Hochschulabschluss. Das ist interessant für alle mit Gesellenbrief oder Meisterbrief, auch wenn deutsche Abschlüsse in Australien in der Regel noch einmal über ein Skills Assessment geprüft werden. Außerdem wird die Ministerial Direction 119 angepasst: Anträge für Berufe in Bau, Gesundheit, Landwirtschaft, Fischerei und Lehre sollen bevorzugt bearbeitet werden. Eine frühere Anweisung hatte Fachkräfteanträge von außerhalb Australiens ans Ende der Warteschlange gesetzt, mit Bearbeitungszeiten von teils über einem Jahr. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag warum Handwerker in Australien an Bedeutung gewinnen.
Strengere Kontrollen
Die Regierung nimmt auch Menschen in den Blick, die gegen ihre Visumsauflagen verstoßen. Geplant sind 100 zusätzliche Kontrollbeamte und 250 neue Plätze in Abschiebehaft, möglicherweise auch die Nutzung einer früheren Quarantäneeinrichtung in Melbourne. Haftregeln wie vor 2015 sollen wieder abschrecken, und Migrationsberater, die Mandanten zu aussichtslosen Anträgen drängen, sollen sanktioniert werden.
Gleichzeitig widerspricht die Regierung dem Bild einer Masseneinwanderung: Bis 2030-31 wird Australien demnach 700.000 Menschen weniger haben, als vor der Pandemie prognostiziert. Außerdem seien 15.000 Bauarbeiter ins Land gekommen. Die Richtung ist klar: weg von einem nachfrageorientierten System, hin zu festen Kontingenten. Hintergründe zum neuen Losverfahren finden Sie in unserem Beitrag über die Auslosung beim Working Holiday Visum.
Häufig gestellte Fragen
Brauche ich als Deutscher für das zweite Working-Holiday-Jahr weiterhin regionale Arbeit?
Ja. Für das zweite Jahr sind 88 Tage regionale Arbeit nötig, bevor Sie an der Auslosung teilnehmen können. Die Ausnahme ohne regionale Arbeit gilt nur für britische Staatsbürger.
Wie viele Plätze gibt es für das zweite und dritte Jahr?
Für das zweite Jahr sind es höchstens 45.000 Plätze, für das dritte nur 5.000. Für das dritte Jahr sind sechs Monate regionale Arbeit erforderlich.
Kann ich in Australien den Studiengang wechseln?
Ein Wechsel des Bildungsanbieters erfordert künftig ein neues Visum. Nach einem Abschluss ist nur noch ein Schritt auf eine höhere Stufe möglich, etwa vom Bachelor zum Master.
Profitieren Handwerker aus Deutschland von der Reform?
Handwerksberufe bekommen im Punktetest mehr Gewicht, und Bauberufe werden bevorzugt bearbeitet. Ihr deutscher Abschluss wird in der Regel trotzdem noch über ein Skills Assessment geprüft.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Nettozuwanderung soll auf 245.000 und danach auf 225.000 sinken.
- Das zweite und dritte Working-Holiday-Jahr wird künftig ausgelost, mit 45.000 und 5.000 Plätzen.
- Studierende brauchen für einen Anbieterwechsel ein neues Visum und dürfen meist keine Familie mehr mitbringen.
- Handwerker bekommen im Punktetest mehr Gewicht.
- Wer nach Australien will, sollte sich früh auf einen klaren Weg festlegen.
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