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Eine Obergrenze für Zuwanderung? Was der Vorschlag der Opposition für Fachkräfte aus Deutschland bedeuten könnte

Neuigkeiten · 25.08.2026 · 4 Min. Lesezeit

Drei Berufstätige sprechen auf einer Büroterrasse in Australien, im Hintergrund stehen neue Wohnhäuser und ein Baukran.

Die Zuwanderung steht in Australien wieder im Mittelpunkt der Politik. Diesmal geht es um eine schlichte, aber folgenreiche Idee: Die Zahl der Neuankömmlinge soll sich nach der Zahl der tatsächlich gebauten Wohnungen richten. Wenn Sie einen Umzug nach Australien planen, oder wenn Ihr Betrieb auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen ist, sollten Sie diese Diskussion im Blick behalten.

Ein Neuankömmling pro neuer Wohnung

Die Coalition, das oppositionelle Parteienbündnis, hat vorgeschlagen, die Nettozuwanderung im Verhältnis eins zu eins an den Wohnungsbau zu koppeln: ein Neuankömmling für jede neu gebaute Wohnung. Der Oppositionsführer begründet das damit, dass das Bevölkerungswachstum mit dem verfügbaren Wohnraum Schritt halten soll. Die Zuwanderung läge damit um deutlich mehr als 70 Prozent unter den Rekordwerten aus dem Finanzjahr 2022–23. Welche Visumkategorien gekürzt würden, steht noch nicht fest. Das soll erst geklärt werden, wenn die Coalition die Regierung stellt.

Zur Einordnung: Nach Zahlen des australischen Statistikamts ABS erreichte die Nettozuwanderung im Finanzjahr 2022–23 einen Höchststand von 538.000. Im Jahr darauf sank sie auf 429.000 und im Jahr bis Juni 2025 weiter auf 306.000. Der Rückgang läuft also bereits. Offen ist, wie weit und wie rasch eine künftige Regierung ihn fortsetzen würde.

Die Wirtschaft zieht eine klare Linie

Bemerkenswert ist, dass die Wirtschaftsverbände strengere Regeln nicht grundsätzlich ablehnen. Sie verteidigen aber gezielt die qualifizierte Zuwanderung. Die Australian Industry Group hält die heutigen Regeln für Fachkräfte im Kern für richtig. Wichtiger seien Tempo und Treffsicherheit: die richtigen Fähigkeiten dann ins Land zu holen, wenn Arbeitgeber sie brauchen, statt pauschal überall zu kürzen.

Die Australian Chamber of Commerce and Industry argumentiert ähnlich, aber breiter. Migrationspolitik müsse sorgfältig austariert werden, zwischen dem Vertrauen der Bevölkerung und dem gesellschaftlichen Zusammenhalt auf der einen Seite und dem wirtschaftlichen Nutzen eines gut gesteuerten Programms auf der anderen. Die Bedürfnisse der Arbeitgeber müssten dabei berücksichtigt bleiben.

Was das für Ihre Bewerbung bedeutet

Für Fachkräfte aus Deutschland zeigt die Debatte vor allem eins: Die Wege für qualifizierte Zuwanderung sind der Teil des Systems, den weder die großen Parteien noch die Verbände kürzen wollen. Auch wenn die Gesamtzahlen sinken, gelten Visa mit Sponsoring durch den Arbeitgeber und andere Visa für Fachkräfte als der Bereich, der geschützt werden soll. Australische Betriebe sagen, dass sie bestimmte Lücken mit eigenen Leuten nicht schließen können.

Geschützt heißt allerdings nicht unberührt. Eine künftige Regierung könnte Voraussetzungen, Bearbeitungszeiten oder Berufslisten verschärfen, selbst wenn sie den Bereich für Fachkräfte im Großen und Ganzen erhält. Wer ein Visum mit Visumsponsoring anstrebt, sollte seine Unterlagen deshalb rechtzeitig vorbereiten: Zeugnisse, Arbeitszeugnisse und den Nachweis Ihrer Ausbildung, jeweils mit englischer Übersetzung, sowie einen Englischtest wie IELTS oder PTE, falls Ihr Visum oder Ihr Arbeitgeber ihn verlangt.

Die übersehene Lücke am Bau

Ein auffälliger Punkt kommt aus der Immobilienbranche. Der Property Council of Australia weist darauf hin, dass in den vergangenen zwei Jahrzehnten nur ein kleiner Teil der zugewanderten Fachkräfte einen Bauberuf mitgebracht hat, obwohl gerade der Bau unter besonders großem Druck steht. Eine Politik, die durch weniger Zuwanderung den Wohnungsmarkt entlasten will, übersieht womöglich, dass dem Land die zugewanderten Handwerker fehlen, um diese Wohnungen überhaupt zu bauen.

Daraus ergibt sich ein echter Widerspruch. Soll die Zuwanderung den fertiggestellten Wohnungen folgen, müsste Australien eher mehr Bau- und Handwerksfachkräfte anwerben, nicht weniger. Sonst wird das Wohnungsziel schwerer erreichbar. Für Maurer, Zimmerer, Elektriker und andere Handwerker aus Deutschland mit Gesellenbrief ist das eine interessante Ausgangslage. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag über die Fachkräftekrise am australischen Bau und in unserer Übersicht zur australischen Migrationsdebatte. Aktuelle Stellen finden Sie auf unserer Jobseite.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Opposition schlägt vor, die Nettozuwanderung an die Zahl neuer Wohnungen zu koppeln.
  • Die Nettozuwanderung ist bereits von 538.000 auf 306.000 gesunken.
  • Verbände der Wirtschaft wollen die qualifizierte Zuwanderung schützen.
  • Auch geschützte Wege können strenger werden: Bereiten Sie Ihre Unterlagen rechtzeitig vor.
  • Am Bau fehlen zugewanderte Handwerker, was Fachkräften aus Deutschland Chancen eröffnen kann.

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