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Visum 482 und andere Fachkräftevisa: Wo steht Ihr Antrag aus Deutschland in der neuen Warteschlange?

Visa-Ratgeber · 21.09.2026 · 4 Min. Lesezeit

Ein Paar betrachtet gemeinsam Unterlagen an einem Küchentisch mit geschlossenem Laptop in einer hellen Wohnung.

Am 19. September 2026 hat das australische Innenministerium (Department of Home Affairs) die Reihenfolge neu geregelt, in der Anträge auf Fachkräftevisa bearbeitet werden. Zwei neue ministerielle Anweisungen, die Ministerial Directions MD 121 und MD 122, ersetzen das bisherige System nach MD 119. Wenn Sie aus Deutschland ein Arbeitsvisum für Australien beantragen, entscheidet diese Reihenfolge mit darüber, wie schnell Sie eine Antwort bekommen.

Das Prinzip: nicht jeder Antrag ist gleich schnell

Home Affairs bearbeitet Anträge nicht einfach nach Eingang. Sie werden nach Prioritäten der Regierung eingestuft. Wo Ihr Antrag in dieser Rangfolge landet, kann den Unterschied zwischen einer zügigen Entscheidung und einer langen Wartezeit ausmachen.

Befristete Fachkräftevisa nach MD 121

Diese Anweisung gilt für das Visum Skills in Demand (Subclass 482), das typische Visum mit Sponsoring durch einen Arbeitgeber, und für das inzwischen abgelöste Temporary Skill Shortage Visum. Die Reihenfolge:

  1. Prioritätsbranchen: Bau, Gesundheit, Lehre, Landwirtschaft, Aquakultur, Fischerei, Rohstoffe sowie alles mit Bezug zu Verteidigung oder Strafverfolgung
  2. Antragsteller im Specialist Skills Stream des Skills-in-Demand-Visums
  3. Antragsteller, die bei Antragstellung bereits in Australien waren
  4. Einzelantragsteller ohne Partner oder Familie im selben Antrag, die von außerhalb Australiens beantragt haben
  5. alle übrigen Anträge

Für Sie aus Deutschland bedeutet das: Wenn Ihr Beruf nicht zu den Prioritätsbranchen gehört und Sie gemeinsam mit Ihrer Familie von Deutschland aus beantragen, stehen Sie realistisch am Ende der Schlange. Wer dagegen im Bau, in der Pflege oder in der Lehre arbeitet, ist weit vorn.

Vorläufige und dauerhafte Fachkräftevisa nach MD 122

MD 122 gilt für eine deutlich längere Liste: unter anderem Skilled Independent (189), Skilled Nominated (190), das Employer Nomination Scheme (186), regionale vorläufige Visa (491, 494, 489) sowie dauerhafte Visa wie 191 und 887. Die Reihenfolge ist etwas kürzer:

  1. Prioritätsbranchen und Anträge im nationalen Interesse (dieselben Branchen wie oben)
  2. Antragsteller, die bei Antragstellung in Australien waren
  3. Einzelantragsteller, die aus dem Ausland beantragt haben
  4. alle übrigen Anträge

Was das praktisch heißt

  • Sie arbeiten in einer Prioritätsbranche? Ihr Antrag dürfte schneller vorankommen als unter MD 119.
  • Sie sind bereits in Australien, etwa mit einem Working Holiday Visum? Dann stehen Sie vor den meisten Antragstellern aus dem Ausland. Bedenken Sie aber, dass ein Working Holiday selbst kein Sponsoring ist.
  • Sie beantragen gemeinsam mit Ihrer Familie von Deutschland aus? Solche Anträge stehen ganz unten. Planen Sie deutlich mehr Wartezeit ein.

Weitere Anweisungen, die weiter gelten

Zwei ältere Anweisungen bleiben außerhalb von MD 121 und MD 122 in Kraft. MD 114 betrifft die geschlossenen Visa Business Innovation and Investment (188) und Business Talent (132). MD 120, gültig seit dem 25. Juli 2026, betrifft Visa der Class BX (858), darunter das National Innovation Visum sowie die geschlossenen Programme Distinguished Talent und Global Talent.

Bearbeitungszeiten richtig einschätzen

Das Werkzeug für Bearbeitungszeiten auf der Website von Home Affairs liefert nur einen Richtwert. Es beruht darauf, wie lange zuletzt abgeschlossene Anträge gedauert haben, und sagt nichts über Ihren konkreten Fall voraus. Ihre Angaben prüft es nicht. Nehmen Sie die Zahlen als groben Anhaltspunkt und nicht als Zusage. Die aktuellen Werte finden Sie direkt auf der Website des Department of Home Affairs.

Häufige Fehler, die Sie Zeit kosten

Weil die Priorität so stark davon abhängt, wie und von wo Sie beantragen, zählt ein sauberer, vollständiger Antrag mehr denn je. Fehler oder fehlende Unterlagen können Sie aus einer schnellen Bearbeitung werfen. Typische Stolpersteine bei Anträgen aus Deutschland sind fehlende englische Übersetzungen von Zeugnissen und Arbeitszeugnissen, unterschiedliche Schreibweisen des Namens in Dokumenten und Reisepass sowie ein Führungszeugnis, das erst spät beantragt wird, wenn es verlangt ist. Wenn Sie unsicher sind, wo Ihr Antrag eingeordnet wird, holen Sie vor dem Einreichen fachlichen Rat ein. Mehr Hintergrund bieten unsere Beiträge zu den neuen Migrationsregeln und zum Fachkräftemangel im Bau.

Häufig gestellte Fragen

Seit wann gelten MD 121 und MD 122?

Seit dem 19. September 2026. Sie ersetzen die bisherige Rangfolge nach MD 119 für fast alle wichtigen Fachkräftevisa.

Welche Branchen werden bevorzugt bearbeitet?

Bau, Gesundheit, Lehre, Landwirtschaft, Aquakultur, Fischerei und Rohstoffe sowie Bereiche mit Bezug zu Verteidigung oder Strafverfolgung. Anträge aus diesen Branchen stehen in beiden Anweisungen ganz vorn.

Bin ich mit einem Antrag aus Deutschland benachteiligt?

Antragsteller, die bereits in Australien sind, stehen vor denen aus dem Ausland. Am Ende stehen gemeinsame Anträge mit der Familie von außerhalb Australiens, sofern der Beruf nicht zu einer Prioritätsbranche gehört.

Wie verlässlich sind die angegebenen Bearbeitungszeiten?

Sie sind nur ein Richtwert auf Basis kürzlich abgeschlossener Fälle. Für Ihren eigenen Antrag kann die Dauer davon abweichen.

Das Wichtigste in Kürze

  • MD 121 und MD 122 regeln seit dem 19. September 2026 die Reihenfolge bei Fachkräftevisa.
  • Prioritätsbranchen wie Bau, Gesundheit und Lehre stehen ganz vorn.
  • Antragsteller in Australien kommen vor Antragstellern aus dem Ausland.
  • Gemeinsame Familienanträge aus dem Ausland stehen am Ende.
  • Ein vollständiger, fehlerfreier Antrag ist wichtiger denn je.

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