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33 Jahre Wartezeit: Was Sie vor einem Antrag auf ein Elternvisum für Australien wissen sollten

Visa-Ratgeber · 31.08.2026 · 4 Min. Lesezeit

Eine Frau sitzt mit ihren älteren Eltern am Küchentisch mit leeren Papieren und hält die Hand ihrer Mutter.

Sie leben und arbeiten in Australien und möchten Ihre Eltern dauerhaft nachholen? Dann sollten Sie zuerst eine Zahl kennen: 33 Jahre. So lange dauert die Warteschlange für das nicht beitragsfinanzierte Aged Parent Visum derzeit ungefähr. Selbst der schnellere, beitragsfinanzierte Weg (Contributory Parent Visa), der fast 50.000 Dollar pro Person kostet, liegt inzwischen bei etwa 15 Jahren. Für viele Familien dauert das länger als der Grund, aus dem sie ihre Eltern überhaupt nach Australien holen wollten.

Das ist kein theoretisches Risiko. Daten aus den Anhörungen im Senat für die 21 Monate bis zum 31. März dieses Jahres zeigen, dass mehr als 1.500 Antragsteller für ein Elternvisum gestorben sind, während sie noch warteten. Hinter dieser Zahl stehen Menschen, die Zehntausende Dollar bezahlt, jedes verlangte Dokument eingereicht und am Ende schlicht keine Zeit mehr hatten.

Warum die Warteschlange so lang ist

Die langsame Bearbeitung ist kein Zufall, sondern seit Jahren so angelegt. Zwei Gründe stehen dahinter:

  • Eine kleine, feste Zahl an Plätzen. Die Regierung begrenzt, wie viele Elternvisa sie pro Jahr erteilt. Diese Grenze ist sogar gesunken, von 8.500 auf 7.060 Plätze im laufenden Finanzjahr. Gleichzeitig warten inzwischen mehr als 157.000 Menschen.
  • Ein paralleler Weg aus dem Inland. Eltern, die mit einem Besuchervisum einreisen und dann in Australien ein Elternvisum beantragen, können oft unbegrenzt mit einem Überbrückungsvisum (Bridging Visa) bleiben, solange ihr Antrag läuft. Dabei werden sie häufig vor Menschen bearbeitet, die ordnungsgemäß aus dem Ausland beantragt haben. Genau diese Lücke wollen die Behörden schließen.

Eine von der Regierung in Auftrag gegebene Überprüfung des Migrationssystems aus dem Jahr 2023 fand deutliche Worte: Menschen ein Visum anzubieten, das sie zu Lebzeiten wahrscheinlich nie erhalten, sei grausam und unnötig.

Eine Reform könnte beide Seiten treffen

Der australische Innenminister will eine größere Reform der Migration vorstellen, und die Regeln für Familienvisa sollen dazugehören. Ein Vorschlag sieht vor, dass Ehepartner, Kinder und Eltern australischer Staatsbürger keinen Visumantrag mehr stellen können, während sie als Touristen im Land sind. Damit zielt der Vorschlag direkt auf den beschriebenen Weg aus dem Inland.

Für Familien, die ordnungsgemäß aus dem Ausland beantragt haben, könnte das in der Theorie das Vordrängeln in der Schlange verringern. Unklar ist aber, ob neue Antragsteller den Weg aus dem Inland künftig überhaupt noch nutzen dürfen. Damit fiele eine der wenigen Möglichkeiten weg, Eltern während eines laufenden Antrags in Australien zu behalten. Entschieden ist noch nichts. Wenn Sie aber auf diesen Weg setzen, sollten Sie die Entwicklung in den nächsten Monaten genau verfolgen.

Was das für Fachkräfte aus Deutschland in Australien bedeutet

Für viele ist ein Elternvisum keine Herzensfrage allein, sondern eine praktische Notwendigkeit. Wer als Fachkraft mit langen Arbeitszeiten in Australien arbeitet, ist oft auf die Hilfe der Eltern bei Kinderbetreuung und Haushalt angewiesen. Wenn diese Hilfe nur in Blöcken von sechs Monaten mit einem befristeten Visum möglich ist und die Eltern dazwischen für längere Zeit ausreisen müssen, belastet das Karriere, Finanzen und die Gesundheit der Eltern.

Wenn Sie mit einem Visum mit Sponsoring durch den Arbeitgeber nach Australien gehen möchten, sollten Sie diese Frage deshalb früh mitdenken. Rechnen Sie nicht damit, Ihre Eltern in absehbarer Zeit dauerhaft nachholen zu können.

Was Sie jetzt prüfen sollten

  1. In welchem Verfahren stehen Ihre Eltern? Beitragsfinanzierte und nicht beitragsfinanzierte Elternvisa unterscheiden sich stark bei Kosten und Wartezeit. Prüfen Sie, ob die gewählte Variante noch zu Ihrer Lage passt.
  2. Halten Sie befristete Visa lückenlos ein. Wenn Ihre Eltern mit Besuchervisa zwischen Deutschland und Australien pendeln, muss jede Einreise den Regeln entsprechen. Ein Verstoß kann den eigentlichen Antrag gefährden.
  3. Verfolgen Sie die Vorgaben des Ministers zur Bearbeitungsreihenfolge. Sie legen fest, welche Anträge zuerst bearbeitet werden, und können die Reihenfolge stark verschieben, unabhängig davon, wann jemand beantragt hat.
  4. Planen Sie mit realistischen Zeiten. Schätzungen zur Bearbeitung ändern sich. Wenn Ihre Familienplanung von einem bestimmten Zeitraum abhängt, prüfen Sie das anhand aktueller Daten, nicht anhand einer Auskunft von vor Jahren.

Weitere Hintergründe lesen Sie in unserem Beitrag zur Neuordnung der australischen Migrationsregeln und in unserem Artikel über den Nachzug von Angehörigen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Für das nicht beitragsfinanzierte Elternvisum beträgt die Wartezeit rund 33 Jahre, für den beitragsfinanzierten Weg etwa 15 Jahre.
  • Die Zahl der Plätze sank von 8.500 auf 7.060, während mehr als 157.000 Menschen warten.
  • Eine geplante Reform könnte Anträge aus dem Inland mit einem Touristenvisum verhindern.
  • Prüfen Sie Verfahren, Einreisen und Zeitplan Ihrer Eltern sorgfältig.

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