Ganz hinten in der Warteschlange: Was Westaustraliens Fleischbranche über Visumsprioritäten zeigt
Neuigkeiten · 07.09.2026 · 4 Min. Lesezeit

Was passiert, wenn eine Regel zum Schutz des heimischen Arbeitsmarkts auf eine Branche trifft, die nie genug heimische Arbeitskräfte hatte? Die Fleischverarbeitung und die Schweinehaltung in Westaustralien zeigen es gerade sehr deutlich. Für Fachkräfte aus Deutschland, die über eine Stelle in der Landwirtschaft oder Lebensmittelverarbeitung nachdenken, ist der Fall lehrreich.
Fünf Stufen, und manche Branchen ganz hinten
Im Juli führte das Department of Home Affairs, das australische Innenministerium, ein System mit fünf Stufen ein, nach dem Visumsanträge bearbeitet werden. Bewerber aus dem Ausland in Branchen außerhalb von Polizei, Verteidigung, Bau, Gesundheitswesen und Lehrberufen stehen ganz am Ende der Warteschlange. Fleischverarbeitung und Schweinehaltung sind nicht auf der Prioritätenliste.
Das Ziel, heimische Arbeitskräfte zu schützen, ist nachvollziehbar. In abgelegenen Regionen stößt es aber an Grenzen. Ein Schlachthof in der Kimberley-Region schrieb 60 Fachkräftestellen aus und bekam genau eine Bewerbung aus Australien, und dieser Person fehlten die nötigen Fähigkeiten. Es geht dort nicht um billigere Arbeitskräfte, sondern schlicht darum, dass kaum jemand bereit ist, für diese Arbeit in den hohen Norden zu ziehen.
Was die Verzögerung kostet
Für die Wiedereröffnung dieses Schlachthofs waren rund 30 Fachkräfte von den Philippinen und 13 Partner vorgesehen. Etwa $390,000 an Visumsgebühren wurden bereits bezahlt. Die Eröffnung musste verschoben werden: Ein vorläufiger Start ist für Februar geplant, der volle Betrieb für April. Bis dahin müssen Tausende Rinder anderswo unterkommen.
Weiter südlich erlebt ein Schweinehalter dasselbe Problem. Rund 90 Prozent seiner Belegschaft kommen aus dem Ausland. Er erweitert seinen Betrieb von 1.500 auf 2.500 Sauen, die Ferkel werden in sechs Monaten erwartet. Seine neuen Mitarbeiter wurden im Januar angeworben, einige haben ihre bisherige Stelle bereits gekündigt, doch ob ihre Visa rechtzeitig bearbeitet werden, ist offen.
Drei Zeitpläne, die nicht zusammenpassen
Beide Fälle zeigen eine Lücke zwischen drei Abläufen, die eigentlich zusammenpassen sollten: der Anwerbung durch den Arbeitgeber, der Bearbeitung der Visa und der Planung im Betrieb. Ein Schweinebetrieb hört nicht auf zu züchten, nur weil ein Antrag in der Warteschlange liegt. Für Arbeitgeber, die über das Meat Industry Labour Agreement anwerben, gibt die Behörde nur an, Anträge würden nach den üblichen Verfahren bearbeitet. Einen konkreten Zeitrahmen oder eine Ansprechperson für Nachfragen gibt es nicht.
Was Sie daraus für Ihre Bewerbung mitnehmen
Wenn Sie als Fleischer, in der Lebensmittelverarbeitung oder in der Tierhaltung aus Deutschland eine Stelle mit Visumsponsoring in Australien anstreben, sollten Sie mit längeren Wartezeiten rechnen. Ihre Branche gehört derzeit nicht zu den bevorzugten Bereichen. Kündigen Sie Ihre Stelle in Deutschland erst, wenn Ihr Visum tatsächlich erteilt ist. Halten Sie alle Unterlagen vollständig bereit, damit sich die Bearbeitung nicht zusätzlich verzögert, und sprechen Sie mit Ihrem künftigen Arbeitgeber offen über einen realistischen Starttermin.
Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag zu den neuen Bearbeitungsprioritäten und in unserem Artikel darüber, was ein Visumsstau für Regionen bedeutet. Offene Stellen finden Sie auf unserer Jobseite.
Häufig gestellte Fragen
Welche Branchen haben bei der Bearbeitung Vorrang?
Vorrang haben unter anderem Polizei, Verteidigung, Bau, Gesundheitswesen und Lehrberufe. Bewerber aus dem Ausland in anderen Branchen stehen am Ende der Warteschlange.
Warum finden Betriebe in Westaustralien kaum heimische Bewerber?
Viele Betriebe liegen sehr abgelegen. Nur wenige Fachkräfte sind bereit, dorthin zu ziehen. Ein Schlachthof erhielt auf 60 Stellen nur eine Bewerbung aus Australien.
Sollte ich meine Stelle in Deutschland schon kündigen?
Besser erst, wenn das Visum erteilt ist. Die Bearbeitung kann sich in nachrangigen Branchen deutlich verzögern. Einige Bewerber haben ihre Stelle zu früh aufgegeben.
Was ist das Meat Industry Labour Agreement?
Eine Vereinbarung, über die Betriebe der Fleischbranche Arbeitskräfte aus dem Ausland anwerben können. Auch diese Anträge stehen derzeit in der allgemeinen Warteschlange.
Das Wichtigste in Kürze
- Australien bearbeitet Visa seit Juli nach einem System mit fünf Stufen.
- Fleischverarbeitung und Schweinehaltung haben keinen Vorrang.
- Abgelegene Betriebe finden kaum heimische Bewerber.
- Rechnen Sie in diesen Branchen mit langen Wartezeiten.
- Kündigen Sie erst, wenn Ihr Visum erteilt ist.
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