Punktetest in Australien: Welche Kriterien wirklich zählen und was Forscher ändern möchten
Visa-Ratgeber · 03.09.2026 · 4 Min. Lesezeit

Wenn in Australien über Migration gestritten wird, geht es fast immer um Zahlen: zu viele oder zu wenige? Eine andere Frage ist für Fachkräfte aus Deutschland viel spannender: Belohnt der australische Punktetest eigentlich die Eigenschaften, die später wirklich zu beruflichem Erfolg führen? Neue Forschung kommt zu einem klaren Ergebnis: eher nicht.
Wie die Forscher vorgegangen sind
Ausgewertet wurden Steuerdaten, Volkszählungen und Visumsdaten über drei Jahrzehnte. Die Forscher verglichen die Einkommen von Migranten mit ihrem Visumweg, vom Beginn der 2010er-Jahre bis 2022. Das Ergebnis ist unbequem: Mehrere Kriterien, für die es heute Punkte gibt, sagen wenig oder nichts über den späteren wirtschaftlichen Erfolg aus. Einige hängen sogar mit schlechteren Ergebnissen zusammen.
Die Studie nennt hier Nachweise in einer Community-Sprache, ein Studium in einer Regionalregion, sogenannte Professional-Year-Programme, Spezialabschlüsse außerhalb der regulierten Kernberufe und ein Studium an einer australischen Universität.
Warum der Studienweg schlecht abschneidet
Der Punktetest wurde für eine Zeit entworfen, in der die meisten Bewerber noch im Ausland lebten. Heute gehen die meisten punktebasierten Visa an Menschen, die schon in Australien sind, oft frühere internationale Studierende. Genau diese Gruppe verdient nach den Ergebnissen im Schnitt weniger und arbeitet deutlich häufiger unter ihrer Qualifikation als Migranten, die über andere Wege kamen. Gleichzeitig hängen viele Menschen lange in Überbrückungs- und befristeten Visa fest, was auch Wohnungsmarkt und Infrastruktur belastet.
Drei Schwachstellen im System
1. Falsche Gewichtung. Merkmale mit guter Aussagekraft, nämlich Alter, Ausbildung, Englischkenntnisse und passende Berufserfahrung, zählen zu wenig. Kriterien mit geringem Nutzen bringen trotzdem Punkte.
2. Eine Skala für alle. Für regulierte Berufe wie im Gesundheitswesen funktioniert der Test recht gut, weil Abschluss und Beruf eng zusammenpassen. Im Ingenieurwesen und in kaufmännischen Berufen zählen dagegen Netzwerke und lokale Einstellungspraxis mehr.
3. Vorhandenes Wissen bleibt ungenutzt. Wer bereits in Australien arbeitet, wird nach denselben Kriterien bewertet wie jemand, der sich zum ersten Mal aus dem Ausland bewirbt, obwohl seine tatsächliche Leistung längst sichtbar ist.
Zwei Reformvorschläge
Die Forscher schlagen zwei Wege vor. Option 1 wäre eine Bereinigung: Kriterien ohne Aussagekraft streichen und Alter, Ausbildung, Englisch und australische Berufserfahrung stärker gewichten. Option 2 ginge weiter und würde zwei getrennte Wege schaffen. Ein qualifikationsbasierter Weg wäre für Bewerber aus dem Ausland und frische Absolventen gedacht, vor allem in regulierten Berufen wie der Medizin. Ein zweiter Weg wäre für Inhaber befristeter Visa, die bereits in ihrem Beruf arbeiten. Sie würden vor allem nach Alter und ihrem australischen Einkommen der vergangenen zwei Jahre bewertet. Das ähnelt der Logik des Sponsorings durch den Arbeitgeber.
Beides sind Vorschläge aus der Forschung, keine beschlossenen Regeln.
Was das für Bewerber aus Deutschland bedeutet
Selbst wenn sich nichts ändert, zeigt die Studie, worauf es ankommt: Alter, Ausbildung, gute Englischkenntnisse und echte Berufserfahrung. Eine solide deutsche Berufsausbildung oder ein Studium mit passender Praxis ist mehr wert als zusätzliche Kurse, die nur Punkte bringen sollen. Ein englischer Sprachtest wie IELTS oder PTE gehört in fast jede Planung. Und wer schnell in Australien arbeiten möchte, kann über eine Stelle mit Visumsponsoring gehen, bei der die eigene Leistung im Job zählt.
Mehr zur Debatte lesen Sie in unserem Beitrag über die falsche Frage in der australischen Migrationsdebatte und in unserem Überblick, was die Daten über Migration nach Australien zeigen. Für den Englischtest können Sie mit PractiseNow für IELTS und PTE üben.
Häufig gestellte Fragen
Hat Australien den Punktetest schon geändert?
Nein, es handelt sich um Vorschläge aus einer Studie. Die geltenden Regeln bleiben bestehen, bis die Regierung etwas anderes beschließt. Prüfen Sie immer die offiziellen Angaben.
Welche Merkmale sagen den Erfolg am besten voraus?
Die Studie nennt Alter, Ausbildung, Englischkenntnisse und passende Berufserfahrung. Diese Merkmale sind heute im Verhältnis zu ihrer Aussagekraft zu schwach gewichtet.
Lohnt sich ein Studium in Australien als Weg zum Daueraufenthalt?
Die Studie zeigt, dass ehemalige Studierende im Schnitt weniger verdienen und öfter unter ihrer Qualifikation arbeiten. Ein Studium sollte daher zu Ihren beruflichen Zielen passen und nicht nur Punkte bringen.
Was ist für deutsche Fachkräfte eine Alternative?
Eine Stelle mit Visumsponsoring durch einen Arbeitgeber setzt auf Ihre tatsächliche Leistung im Beruf. Dafür brauchen Sie meist passende Berufserfahrung und gute Englischkenntnisse.
Das Wichtigste in Kürze
- Mehrere Punktekriterien sagen wenig über den späteren Erfolg aus.
- Alter, Ausbildung, Englisch und Berufserfahrung zählen nach der Studie am meisten.
- Der Weg über ein Studium in Australien schneidet schwach ab.
- Vorgeschlagen sind eine Bereinigung oder zwei getrennte Wege.
- Noch ist nichts beschlossen.
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