Wenn der Arbeitsplatz auswandert: Was die Verlagerung von Kundenservice-Jobs nach Australien für Sie bedeutet
Neuigkeiten · 02.09.2026 · 4 Min. Lesezeit

Meist folgen Menschen der Arbeit. In Neuseeland zeigt sich gerade das Gegenteil: Die Arbeit selbst wandert aus. Woolworths New Zealand hat ein Konsultationsverfahren gestartet, um sein Customer Care Centre zu schließen und rund 130 Stellen nach Australien zu verlagern. Für alle, die aus Deutschland über das Arbeiten in Neuseeland oder Australien nachdenken, ist das ein aufschlussreicher Fall.
Der Plan in wenigen Sätzen
Die Beschäftigten wurden am 1. September informiert und hatten bis zum 15. September Zeit, Stellung zu nehmen. Erst danach soll über den Vorschlag endgültig entschieden werden. Das Unternehmen könnte den Umfang nach den Rückmeldungen noch ändern.
Die Gewerkschaft der Betroffenen rechnet vor, dass sich der Konzern davon bis zum Geschäftsjahr FY2029 zusätzliche Erträge von etwa NZ$4.1 million verspricht. Im Vergleich dazu wirkt die Summe bescheiden: Für das Jahr bis Juni 2026 meldete das Unternehmen ein operatives Ergebnis vor Zinsen und Steuern von NZ$163 million, ein Plus von 8,8 % gegenüber dem Vorjahr. In die Umgestaltung der Filialen flossen mehr als NZ$400 million.
Wen es am härtesten trifft
Die Gewerkschaft weist darauf hin, dass viele im Kundenservice-Team von zu Hause aus arbeiten, darunter auffällig viele Alleinerziehende. Solche Stellen werden oft gerade deshalb gewählt, weil sie sich mit Kinderbetreuung vereinbaren lassen. Fällt die Stelle weg, geht es nicht nur um eine neue Bewerbung, sondern um die Organisation des ganzen Familienalltags. Eine Versetzung in ein anderes Land ist für diese Menschen meist keine echte Option.
Hinzu kommt der Arbeitsmarkt: Neuseeland hat eine Arbeitslosenquote von 5,6 %. Wer seine Stelle verliert, trifft also nicht auf Arbeitgeber, die händeringend suchen.
Neu daran: Der Arbeitsplatz zieht über die Tasmansee
Dass Fachkräfte aus Neuseeland nach Australien gehen, ist seit Jahrzehnten bekannt. Bisher war das aber eine persönliche Entscheidung. Hier verschiebt ein Arbeitgeber die Stellen selbst, unabhängig davon, ob jemand umziehen möchte. Die Beschäftigten müssen dann wählen: hinterherziehen, umschulen oder sich neu orientieren. Man kann das als stille, vom Arbeitgeber gesteuerte Form der Arbeitsmigration sehen.
Die Gewerkschaft nennt noch eine weitere Folge: Kundinnen und Kunden in Neuseeland könnten künftig mit Mitarbeitern sprechen, denen das regionale Wissen fehlt, das die bisherigen Teams vor Ort mitbringen.
Was Sie daraus für Ihre eigenen Pläne mitnehmen können
Für Menschen aus Deutschland, die eine Stelle in Neuseeland oder Australien suchen, gibt es zwei Lehren. Erstens: Zentrale Servicefunktionen wie Callcenter und Kundensupport lassen sich leicht verlagern, sie sind daher keine besonders sichere Grundlage für eine Auswanderung. Zweitens: Wer bereits mit einem Working Holiday Visum in Neuseeland jobbt, sollte wissen, dass solche Stellen schnell wegfallen können, und rechtzeitig über den nächsten Schritt nachdenken. Ein Working Holiday ist im Übrigen ein anderes Visum als eine Stelle mit Visumsponsoring durch den Arbeitgeber.
Wie es um den neuseeländischen Arbeitsmarkt insgesamt steht, lesen Sie in unserem Beitrag zu den aktuellen Arbeitsmarktdaten in Neuseeland. Warum Neuseeland viele seiner Fachkräfte zurückgewinnt, erklärt unser Artikel über die Rückkehrer-Generation. Offene Stellen finden Sie auf unserer Jobseite.
Häufig gestellte Fragen
Ist die Schließung schon beschlossen?
Nein, es handelt sich um einen Vorschlag in einem Konsultationsverfahren. Die Beschäftigten konnten bis zum 15. September Stellung nehmen. Das Unternehmen kann den Plan danach noch anpassen.
Wie viele Stellen sind betroffen?
Es geht um rund 130 Stellen im Kundenservice. Sie sollen nach Australien verlagert werden. Viele der Betroffenen arbeiten von zu Hause aus.
Bedeutet das neue Stellen in Australien?
Die Aufgaben sollen künftig in Australien erledigt werden. Ob und wie dort neu eingestellt wird, ist nicht bekannt. Verlassen Sie sich bei Ihrer Planung daher nicht auf solche Meldungen.
Was heißt das für Deutsche mit Working Holiday in Neuseeland?
Servicejobs können schnell wegfallen, vor allem in einem schwierigen Arbeitsmarkt. Planen Sie Ihre nächsten Schritte rechtzeitig. Eine Stelle mit Visumsponsoring ist ein eigener Weg mit eigenen Voraussetzungen.
Das Wichtigste in Kürze
- Rund 130 Kundenservice-Stellen könnten von Neuseeland nach Australien wandern.
- Der erwartete finanzielle Vorteil ist im Verhältnis zum Gewinn des Konzerns klein.
- Besonders betroffen sind Beschäftigte im Homeoffice, darunter viele Alleinerziehende.
- Die Arbeitslosenquote in Neuseeland liegt bei 5,6 %.
- Leicht verlagerbare Servicejobs sind keine stabile Basis für eine Auswanderung.
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