Weniger Zuwanderung nach Australien? Was die aktuelle Debatte für Fachkräfte aus Deutschland bedeuten könnte
Neuigkeiten · 18.08.2026 · 4 Min. Lesezeit

Wer gerade eine Bewerbung für ein Arbeitsvisum in Australien vorbereitet, hat vielleicht Schlagzeilen gelesen, nach denen sich das Land abschotten will. Die Lage ist vielschichtiger. In Canberra wird gestritten, aber beschlossen ist bisher wenig. Für Fachkräfte aus Deutschland lohnt es sich, die Positionen auseinanderzuhalten, statt sich von Überschriften verunsichern zu lassen.
Wer welche Kürzungen ins Spiel bringt
Die Bundesregierung erwägt offenbar, die Zuwanderung zu senken. Eine der Optionen: Familienangehörige von Fachkräften sollen ihre Anträge außerhalb Australiens bearbeiten lassen. Aus der Opposition kam der Vorschlag, die Zahlen bei Backpackern und internationalen Studierenden „moderat“ zu kürzen. Dieser Vorschlag war allerdings nicht mit den eigenen Parteikollegen abgestimmt und ist damit weit von einer festen Linie entfernt.
Noch weiter geht eine kleinere Partei am rechten Rand. Sie will die dauerhafte Zuwanderung von 185.000 auf 130.000 Plätze senken und nimmt Folgen für die Wirtschaft bewusst in Kauf. Wichtig für Sie: Nichts davon ist beschlossene Politik. Es handelt sich um Vorschläge und politische Positionen in einer offenen Debatte.
Warum Wirtschaft und Bergbau dagegenhalten
Die Unternehmen in Australien wehren sich deutlich gegen solche Kürzungen. Ihr Hauptargument ist klar: Die geplanten Großprojekte lassen sich ohne Arbeitskräfte aus dem Ausland nicht umsetzen. Der große Industrieverband warnt, dass wichtige Bauvorhaben, darunter die Infrastruktur für die Olympischen Spiele in Queensland, ohne zugewanderte Fachkräfte ins Stocken geraten würden. Er spricht von einem weltweiten Wettbewerb um Talente.
Die Bergbau- und Rohstoffbranche nennt konkrete Zahlen. Ihr Branchenverband sagt, dass sie in den nächsten drei Jahren rund 40.000 neue Arbeitskräfte aus dem Ausland braucht, nur um bestehende und genehmigte Projekte zu besetzen. Seit 2021 hat sich die Zahl der zugewanderten Beschäftigten in der Branche mehr als verdoppelt, und trotzdem fehlen weiter Leute. In Westaustralien sind zugewanderte Arbeitskräfte für die Wirtschaft nach Einschätzung der dortigen Bergbaukammer wichtiger als in jedem anderen Bundesstaat.
Die Zahlen im Überblick
Derzeit sieht Australien jedes Jahr 185.000 Plätze für die dauerhafte Zuwanderung vor. Rund 70 % davon gehen an Fachkräfte, der Großteil des Rests an deren Familienangehörige. Die oppositionelle Koalition (Coalition) hat keine eigenen Zahlen genannt und will die Zuwanderung an das Tempo im Wohnungsbau koppeln. Das Ziel von 130.000 Plätzen ist nicht nach Visumarten aufgeschlüsselt.
Working Holiday: langsamere Bearbeitung
Für viele junge Menschen aus Deutschland ist das besonders interessant: Die Regierung hat die Bearbeitung von Working Holiday Visa verlangsamt. Der zuständige Minister hat das bestätigt, aber keinen Grund genannt. Auch hier widerspricht die Wirtschaft. Befristet Beschäftigte, Backpacker eingeschlossen, schließen Lücken in ländlichen Regionen und in der Landwirtschaft, die die dauerhafte Zuwanderung nicht abdeckt. Wer Work and Travel plant, sollte daher mehr Zeit für die Bearbeitung einplanen. Ein Working Holiday Visum ist übrigens kein Sponsoring durch einen Arbeitgeber, sondern ein eigenes Visum.
Was das für Ihre Pläne heißt
- Die Nachfrage bleibt hoch. Allein der Bergbau braucht in drei Jahren rund 40.000 zusätzliche Arbeitskräfte aus dem Ausland, egal wie die Debatte ausgeht.
- Es wurde noch nichts gekürzt. Auf dem Tisch liegen Vorschläge, Streit innerhalb der Parteien und politische Positionen, nicht über beschlossene Änderungen bei den Visa für Fachkräfte.
- Die Wirtschaft hat Gewicht. Änderungen, die Fachkräfte betreffen, dürften auf starken Widerstand stoßen, bevor sie beschlossen werden.
Die Regeln können sich trotzdem ändern. An der Grundlage ändert das wenig: Australiens große Bau- und Rohstoffprojekte sind auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen. Aktuelle Stellen mit Visumsponsoring finden Sie in unseren Jobs in Australien.
Häufig gestellte Fragen
Hat Australien die Zuwanderung schon gekürzt?
Nein. Bisher gibt es Vorschläge und Positionen der Parteien, aber keine beschlossenen Änderungen bei den Visa für Fachkräfte.
Wie viele Plätze gibt es derzeit für die dauerhafte Zuwanderung?
Derzeit sind es 185.000 Plätze pro Jahr. Rund 70 % davon sind für Fachkräfte vorgesehen.
Betrifft die Debatte auch Working Holiday?
Ja, indirekt. Die Bearbeitung von Working Holiday Visa wurde verlangsamt, ohne dass ein Grund genannt wurde. Planen Sie deshalb mehr Zeit ein.
Welche Branche sucht besonders viele Arbeitskräfte?
Vor allem der Bergbau. Die Branche spricht von rund 40.000 benötigten Arbeitskräften aus dem Ausland in den nächsten drei Jahren.
Das Wichtigste in Kürze
- Über Kürzungen bei der Zuwanderung wird gestritten, beschlossen ist nichts.
- Ein Vorschlag sieht 130.000 statt 185.000 Plätze vor.
- Wirtschaft und Bergbau halten mit dem Bedarf an Fachkräften dagegen.
- Working Holiday Visa werden derzeit langsamer bearbeitet.
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