Nur sieben Lehrlinge in Canberra: Was der Maurermangel für Handwerker aus Deutschland bedeutet
Neuigkeiten · 24.08.2026 · 4 Min. Lesezeit

In Canberra wird gebaut wie selten zuvor, doch auf den Baustellen fehlen die Leute, die Stein auf Stein setzen. In der gesamten Region des Australian Capital Territory (ACT) befinden sich derzeit nur sieben Personen in einer Ausbildung zum Maurer. Im selben Zeitraum ist die Zahl der Beschäftigten am Bau um 10 Prozent gewachsen, während die Zahl der Auszubildenden um 20 Prozent gesunken ist. Viele der Maurer, die heute noch auf den Gerüsten stehen, nähern sich dem Ruhestand.
Für die Bauwirtschaft vor Ort ist das ein ernstes Problem. Für gelernte Maurer aus Deutschland, die über Arbeiten in Australien nachdenken, lohnt sich dagegen ein genauer Blick: Hier zeigt sich ein Markt mit echter, anhaltender Nachfrage.
Ein Handwerk ohne Lizenzpflicht
Ein Detail überrascht viele Handwerker aus Deutschland, wo Gesellenbrief und Meisterbrief eine große Rolle spielen: Im ACT ist das Mauern kein lizenzierter Beruf. Wer Ziegel auf einer Baustelle verlegt, muss keine Qualifikation nachweisen, egal ob im Wohnungsbau oder bei gewerblichen Projekten. Eine Ausbilderin mit 30 Jahren Erfahrung in der Branche sieht die Folgen bei ihren Besuchen auf den Baustellen: uneinheitliche Arbeit von Menschen, die das Handwerk nie richtig gelernt haben.
Diese Lücke hat zwei Seiten. Für die Branche ist sie ein Qualitätsproblem. Wer aber eine echte Ausbildung und Erfahrung auf der Baustelle mitbringt, gehört in Canberra zu einer gesuchten Minderheit. Ein Unternehmer, der seit mehr als zwei Jahrzehnten einen eigenen Maurerbetrieb in der Hauptstadt führt, hat genug Aufträge. Was ihm fehlt, sind zuverlässige Fachleute an der Kelle.
Warum der Mangel kein kurzfristiges Phänomen ist
Man könnte den Engpass für eine vorübergehende Delle in der Baukonjunktur halten. Doch drei Entwicklungen kommen zusammen:
- Die Ausbildung stockt. Die meisten Lehrlinge lernen das Mauern im Wohnungsbau, und der läuft im ACT derzeit schwach. Gewerbliche Projekte und Infrastruktur, etwa der Ausbau der Stadtbahn, halten den Bedarf an Arbeitskräften trotzdem hoch. Weniger Wohnbauprojekte bedeuten weniger Betriebe, die sich auf eine vierjährige Ausbildung festlegen.
- Viele brechen ab. Deutlich mehr junge Leute beginnen eine Lehre, als sie abschließen. Die körperliche Belastung und zu viel Hilfsarbeit statt echter Arbeit mit der Kelle führen dazu, dass viele aufhören, bevor sie auf der Baustelle wirklich etwas leisten können.
- Die Belegschaft altert. Auf vielen Baustellen sind Handwerker über 40 die Regel. Ohne Nachwuchs aus der Ausbildung oder Fachkräfte aus dem Ausland geht dieses Wissen mit dem Ruhestand verloren.
Hinzu kommt das Ziel der Regierung des ACT, bis 2030 insgesamt 30.000 neue Wohnungen zu bauen. Mit sieben Auszubildenden ist ein Vorhaben dieser Größe kaum zu schaffen.
Was das für Maurer aus Deutschland bedeutet
Für ausgebildete Maurer und andere Bauberufe zeigt Canberra, wie man einen Arbeitsmarkt richtig liest. Auf drei Signale kommt es an:
- Die Nachfrage ist strukturell und dauerhaft. Sie stützt sich auf staatliche Infrastrukturprojekte und langfristige Wohnungsbauziele, nicht auf ein einzelnes Bauvorhaben.
- Arbeitgeber sprechen offen über den Mangel an Fachkräften. Das führt oft zu zügigeren Einstellungen, mehr Bereitschaft zum Visumsponsoring und weniger Konkurrenz um die Stellen.
- Der Einstieg ist wenig reguliert. Das kann den Weg von der Ankunft bis zur ersten Arbeit verkürzen. Gleichzeitig müssen Sie Ihre Qualifikation und Erfahrung selbst klar belegen, weil das örtliche System diese Prüfung nicht für Sie übernimmt.
Für Handwerker aus Deutschland heißt das konkret: Halten Sie Ihren Gesellenbrief, Ihre Ausbildungszeugnisse und Arbeitszeugnisse bereit, am besten mit einer englischen Übersetzung. Handwerksberufe werden in Australien in der Regel noch einmal bewertet, zum Beispiel in einem Skills Assessment. Auch wenn im ACT keine Lizenz verlangt wird, macht ein sauber belegter Werdegang es einem Arbeitgeber leichter, Ihnen eine Stelle anzubieten.
Eines bleibt allerdings: Mauern ist harte körperliche Arbeit, das bestätigen auch die Auszubildenden in Canberra. Wer die Ausbildung und die nötige Ausdauer mitbringt, findet in einem so unterversorgten Markt aber gute Voraussetzungen. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag über den Mangel an Handwerkern in Australien und in unserer Analyse zur Fachkräftelücke auf australischen Baustellen. Aktuelle Angebote finden Sie auf unserer Seite mit offenen Stellen.
Das Wichtigste in Kürze
- Im ACT sind derzeit nur sieben Personen in einer Ausbildung zum Maurer.
- Das Mauern ist dort kein lizenzierter Beruf, gut ausgebildete Fachkräfte fallen deshalb besonders auf.
- Das Ziel von 30.000 neuen Wohnungen bis 2030 hält die Nachfrage hoch.
- Halten Sie Gesellenbrief und Zeugnisse mit englischer Übersetzung bereit, um Ihre Qualifikation klar zu belegen.
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